Regionalgruppe Thüringen

Aktuell

Zwischen Eigensinn und Gemeinsinn

Von den Höhen und Tiefen der Zusammenarbeit im Kulturbereich

Am 23. Mai 2018 fand eine Veranstaltung der Landesgruppe Thüringen in Kooperation mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zum Thema »Zwischen Eigensinn und Gemeinsinn – Von den Höhen und Tiefen der Zusammenarbeit im Kulturbereich« in der Kleinen Synagoge in Erfurt statt. Das Impulsreferat hielt Dr. Patrick S. Föhl, der mit seinen umfangreichen Erfahrungen als Kulturberater und Kooperationsforscher profunde Kenntnisse in die Debatte einbringen konnte. So begleitete er jüngst Kulturentwicklungsprozesse in Kassel, Düsseldorf sowie Nord- und Südthüringen, wobei er feststellen musste, dass die Themen letztendlich überall die gleichen seien: kulturelle Teilhabe, Kooperationserfordernisse und -hemmnisse, demografischer Wandel und Nutzerorientierung oder aber die Organisation von Partizipation.

(v.l.n.r.) Moderator Dr. Michael Grisko und Referent Dr. Patrick Föhl im Gespräch; Foto: Sylvie Knoblich

 

Die Notwendigkeit von Transformationen im Kulturbereich wurde noch nie so intensiv diskutiert wie heute. Auch der Tourismusbereich erkennt inzwischen, dass er stärker mit dem Kulturbereich kooperieren sollte. Jedoch fehlten nach wie vor oftmals konkrete Ziele und Konzepte bei den Akteuren. Eine der wichtigsten Fragen, die man sich zu Beginn von Kooperationsprozessen als Einrichtung oder Institution stellen sollte, ist die nach dem Ziel. Warum will man kooperieren? Welche Ziele will man verfolgen? Ist Kooperation im konkreten Falle überhaupt erfolgversprechend? Dabei dienen Kooperationen oder gar Fusionen mit anderen Kultureinrichtungen nicht primär der Einsparung, sondern vor allem der Erweiterung und Ergänzung des eigenen Leistungsangebots. Patrick Föhl belegte seine elementaren Feststellungen mit zahlreichen Beispielen aus der Kooperationspraxis, positiven wie negativen. Skeptikern, die aus Kostengründen vor aktiven Veränderungsprozessen zurückschrecken, begegnete er mit dem Hinweis auf gute Fördermöglichkeiten. Meist fehle es jedoch an Kenntnissen über diese Unterstützungsmöglichkeiten. Dafür sind Koordinatoren hilfreich, wie beispielsweise bei der Kulturentwicklungskonzeption Thüringen, wo zwei regionale KoordinatorInnen eingesetzt worden waren. Eine von ihnen, Julia Ackerschott, war bei der Veranstaltung anwesend und konnte ihre Erfahrungen für gelungene Kooperationen in die Diskussion einbringen.

 

Als wichtigste Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit konnte Patrick Föhl Vertrauen, klare Ziele, eine gemeinsame Vision, Strukturen, Verträge, gute persönliche Beziehungen und regelmäßige Treffen herauskristallisieren. Vor allem braucht man aber Menschen, die kooperieren können. Er nannte sie »Manager von Zwischenräumen«, die Übersetzungsleistungen übernehmen, verhandeln und vernetzen können.

  

In der anschließenden Diskussion konnten viele Themen und Fragestellungen vertieft werden. So wurden beispielsweise die Ergebnisse und Erkenntnisse bei der Umsetzung der Kulturentwicklungskonzeption Thüringen in den zwei Modellregionen Nord und Süd, die Zwischennutzung von Stadtgebieten oder die kooperativen Strukturen in Behörden diskutiert. Nachlesen kann man die Ausführungen von Patrick Föhl in der Dokumentation zur Veranstaltungsreihe »Thüringer Debatte zur Kulturpolitik«, die Anfang 2019 in der von Michael Grisko und Tobias J. Knoblich im Leipziger Universitätsverlag herausgegebenen Reihe »Aktuelle Beiträge zur Kulturpolitik« erscheinen wird. Der zweite Band erscheint übrigens in Kürze und fasst die Ergebnisse zum Themenbereich Innovation aus dem vergangenen Jahr zusammen.

Sylvie Knoblich

   

   

Portrait

Die Landesgruppe Thüringen gehört mit knapp 20 Mitgliedern gleichfalls zu den kleinen Regionalverbänden der Kulturpolitischen Gesellschaft. Ein geographisches Zentrum war lange Zeit Weimar, wo Steffen Höhne von der dortigen Hochschule für Musik die Aktivitäten koordinierte. Daneben hat sich in Erfurt ein weiteres Standbein der Regionalarbeit gebildet, zumal die Landeshauptstadt Dienstsitz des Vize-Präsidenten Tobias J. Knoblich ist. Seit Mitte 2013 wirkt dort die »Thüringer Debatte zur Kulturpolitik«, die jeweils ausgesuchte Themen wie den »Kulturinfarkt«, »Migration«, »Ehrenamt« oder »Stiftungen« aufgreift, aber auch aktuelle Entwicklungen der Landeskulturpolitik erörtert.

Organisatorisch betreut und inhaltlich vorbereitet von Sylvie Knoblich, der Sprecherin der KuPoGe-Landesgruppe, ist der Veranstaltungsort Alte Synagoge in Erfurt zu einem zentralen kulturpolitischen Diskursort geworden, der immer öfter auch Nicht-KuPoGe-Mitglieder anspricht. Die Attraktivität des Angebots liegt auch darin begründet, dass mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ein Sponsor gefunden wurde, der die kulturpolitische Veranstaltungsreihe regelmäßig unterstützt. Gegenwärtig laufen die Planungen für 2018, die wiederum ein breites Themenspektrum abdecken sollen, ohne den Bezug zur Landes- und kommunalen Kulturpolitik aus den Augen zu verlieren.

 

Kontakt

Sylvie Knoblich • Sorbenweg 13 • 99099 Erfurt • T 0179/7552784 • Erfurterdebatte@gmx.de

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