Regionalgruppe Niedersachsen

Aktuell

In der niedersächsischen Landespolitik hat es nach der Landtagswahl im Oktober 2017 einen Wechsel der Koalition von rot-grün zu rot-schwarz gegeben. Die Leitung des Kulturministeriums ging von der bisher grünen Ministerin auf Björn Thümler von der CDU über. Inzwischen haben alle relevanten Kulturlobbyisten Gesprächsrunden mit dem neuen Minister gehabt: Sie gingen mit viel Neugier und meist auch vielen Wünschen hinein – kamen aber allesamt etwas ratlos wieder heraus. Dass die üblichen Wünsche der Akteure nach einer besseren Finanzierung nicht einfach erfüllt werden, war natürlich zu erwarten. Dass aber außer freundlichen Worten in alle Richtungen keinerlei Ankündigungen, Ziele oder Schwerpunktsetzungen zu vernehmen sind, ist schon etwas verwunderlicher. Konkret ist bisher nur die Planung von fünf sogenannten Regionalkonferenzen, über die das Land in einen Dialog mit den Kulturvertretern kommen möchte. Erst die Ergebnisse dieser Konferenzen sollen dann im Laufe des Jahres 2019 Grundlage für eine neue kulturpolitische Strategie des Ministeriums sein.

  

Soweit bisher bekannt, sind von Herbst 2018 bis Anfang 2019 die folgenden eintägigen Veranstaltungen geplant: In Norden eine Regionalkonferenz zum Thema »Kulturtourismus«, in Buxtehude zum »Zugang zur Kultur«, in Lingen zur »Kultur als Standortfaktor«, in Peine oder Salzgitter zum Thema »Kultur verbindet Welten« sowie in Osterode am Harz zu den »Herausforderungen des demografischen Wandels«.

  

Dieses Vorgehen kommt den niedersächsischen Kulturvertretern allerdings seltsam bekannt vor, denn mit ganz ähnlichen Regionalkonferenzen war von Thümlers Vor-Vorgängerin Johanna Wanka 2012 das »Kulturentwicklungskonzept Niedersachsen« (KEK) gestartet worden – ein Prozess, der nie zu einem klaren Abschluss kam, geschweige denn zu einem kulturpolitischen Konzept führte.

  

Das Vorgehen des Kulturministeriums lässt im Prinzip zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder weiß dort auch keiner so genau, was man eigentlich will, und deshalb soll erst mal Zeit gewonnen werden; Zeit, in der die kulturellen Interessensvertreter mit Konferenzen beschäftigt werden. Dass sich aus dem vielstimmigen Verlauf solcher Veranstaltungen irgendwie und gar noch im Konsens die Eckpunkte künftiger Landeskulturpolitik herausdestillieren lassen, werden aber weder der Minister noch die Ministerialen glauben. Darum spricht einiges für die zweite Vermutung, dass nämlich im Prinzip schon klar ist, wie die Schwerpunkte aussehen sollen; gerade dann ist aber ein Vorspiel, der Anschein eines Beteiligungsprozesses nötig, den das Kulturministerium so interpretieren kann, dass die gefassten Pläne dazu passen. So oder so: Diese Regionalkonferenzen sollten und werden auch viele Mitglieder der KuPoGe nutzen, um ihre Meinungen und Erfahrungen aus der Kulturarbeit einzubringen.

  

Desweiteren fand Ende April 2018 das Festival Best Off in Hannover statt. Die Stiftung Niedersachsen veranstaltet dieses alle zwei Jahre und präsentiert dem interessierten Publikum Produktionen der niedersächsischen freien Theater. Eine Jury wählt Produktionen aus, zusätzlich wird während des Festivals ein Preis für eine besondere künstlerische Einzelleistung vergeben. Dieser mit 5.000 Euro dotierte Preis ging dieses Jahr an die Gruppe xweiss aus Braunschweig mit der Produktion Welcome to the comfort zone. Regisseur der Produktion ist KuPoGe-Mitglied Christian Weiß.

  

Einen kulturpolitischen Schwerpunkt bildete während des Festivals der Fachtag »Entscheidungsprozesse und Gremienarbeit — Modelle gelungener Juryarbeit«, zu dem insbesondere Personen aus der Kulturverwaltung eingeladen waren. Ungefähr 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus verschiedenen Kommunen nutzen das vom Bundesverband Freie Darstellende Künste, dem Landesverband Freie Theater Niedersachsen und der Stiftung Niedersachsen veranstalte Forum, um über Jurymodelle, Herausforderungen der Juryarbeit und über den Austausch mit der freien Szene zu diskutieren. Impulsbeiträge kamen von Holger Bergmann, Marie von der Heydt sowie Dan Thy Nguyen. Sie widmeten sich den Herausforderungen und möglichen Ansätzen von Entscheidungsprozessen aus der jeweiligen Perspektive einer vom Bund finanzierten Förderanstalt, einer kommunalen Kulturverwaltung und der Perspektive eines Jurymitglieds.

  

Wer sich für Theater und insbesondere Theaterpolitik in Niedersachsen interessiert, kann gerne an der dazu eingerichteten Projektgruppe der KuPoGe-Landesgruppe Niedersachsen mitwirken.

Mara Käser, Braunschweig

Olaf Martin, Göttingen

   

Kontakt

Johannes Crückeberg, Kerstin Hädrich, Mara Käser und Olaf Martin

niedersachsen@kupoge-regional.de

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