Musik – Markt – Politik

Öffentliche Musikförderung neu begründen

Erklärung der Kulturpolitischen Gesellschaft zum Internationalen Kongress

»Musik als Wirtschaft«

am 22.April in Berlin

Das Musikleben hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Jenseits des traditionellen Klassik-Kanons hat sich vor allem durch den Einsatz und die Begegnung mit anderen Musiken dieser Welt die Musiklandschaft derart verändert, dass die in der öffentlichen Kulturförderung immer noch unterschiedliche Bewertung von »U«- und »E«-Kultur immer fragwürdiger wird. Die sogenannte Popularmusik ist nicht mehr allein ein Phänomen der Jugendkultur, sondern längst gesellschaftlich etabliert. Statt überkommene Polarisierungen aufrecht zu erhalten, geht es heute darum, der Vielfalt der Musikkulturen kulturpolitisch gerecht zu werden und neue Konzepte ihrer Förderung zu entwickeln.

Die Pluralität der Musikstile und insbesondere ihre Befruchtung im Kontext einer sich entwickelnden Weltmusik birgt als Medium interkultureller Verständigung ein großes Wirkungspotential. Die wachsende Beliebtheit der außereuropäischen »world music« ist nicht nur ökonomisch, sondern vor allem kulturell zu werten. Kulturpolitik kann und muss diesen Prozess mit befördern. Besonders ist sie dort aufgerufen, wo es dem Markt nicht gelingt, neuen avantgardistischen Formen der Musikkultur Geltung zu verschaffen. Nach wir vor gilt der Grundsatz, dass Kulturpolitik fördern muss, was es (auf dem Markt) schwer hat sowie Qualität und Innovation verspricht. Vor allem zeitgenössische Kompositionen und Aufführungen brauchen eine gezielte Kunst- und Publikumsförderung.

Bildungs- und Kulturpolitik sind aufgefordert, alles zu tun, damit die Musik in der kulturellen Bildung und im Schulunterricht einen höheren Stellenwert bekommt. Die Angebote der Schulen und der Musikschulen sollten aufeinander abgestimmt werden und offen sein für das gesamte Spektrum des Musikschaffens in der heutigen Zeit. Nicht zuletzt die sog. Popularmusik und der Jazz sollten verstärkt in das Angebotsprofil aufgenommen werden.

Ein besonderes Augenmerk bei der Qualifikation der MusikerInnen sollte dem beruflichen Know How jenseits der klassischen MusikerInnen-Krrieren gewidmet sein. Schon heute werden weit mehr MusikerInnen ausgebildet als Arbeitsplätze in staatlich geförderten Einrichtungen vorhanden sind. Fragen des Kulturmanagements und der Selbstvermarktung müssen in Musikhochschulen noch mehr an Bedeutung gewinnen, damit sich die ausgebildeten MusikerInnen in der ausdifferenzierten Musikveranstalterlandschaft professionell orientieren können.

Musik ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit Zukunft. In Deutschland erzielte die Musikwirtschaft (Tonträgerfirmen, Musikinstrumentenhersteller und andere Bereiche) nach einer Recherche von Michael Söndermann für das »Jahrbuch für Kulturpolitik« der Kulturpolitischen Gesellschaft im Jahr 1999 Umsätze in Höhe von 5,7 Mrd. Euro. Musikförderung berührt damit kultur- und wirtschaftspolitische Fragen gleichermaßen. Notwendig sind daher kombinatorische Förderprogramme, die musikpolitischen und kulturökonomischen Erfordernissen Rechnung tragen, indem sie z.B. die individuelle KünstlerInnenförderung um Maßnahmen der Strukturförderung ergänzen, die sich an den Produktuions- und Vermittlungsbedingungen orientieren.

Die Kulturpolitische Gesellschaft e.V. ist eine bundesweite Vereinigung von über 1400 Mitgliedern, die mit Kulturpolitik professionell befasst sind. Mit Fragen der Musikwirtschaft beschäftigte sie sich im Rahmen des Internationalen Kongresses »Musik als Wirtschaft«, den sie am 22. April 2002 gemeinsam mit dem Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft mit großer Resonanz und hochkarätiger Beteiligung aus Kulturpolitik und Kulturwirtschaft durchgeführt hat. Unterstützt wurde der  mit 250 TeilnehmerInnen ausgebuchte Kongress durch die Vorsitzende der Kulturausschusses im Deutschen Bundestag, Monika Griefahn, MdB, dem Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Senat von Berlin.

 

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Fotos vom Kongress

Programm