Pressemitteilungen 2011
Kulturelle Zeichen gegen Rechtsradikalismus setzen!
Kulturpolitische Gesellschaft zeichnet KulturForum TürkeiDeutschland aus
Der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft hat auf seiner Sitzung am 25. November 2011 in Berlin einstimmig als Preisträger für ihren diesjährigen Kulturpreis das Kölner KulturForum TürkeiDeutschland ausgewählt. Er zeichnet damit die beispielhafte Arbeit einer Einrichtung aus, die sich seit nahezu 20 Jahren unter dem Ehrenvorsitz von Günter Grass und Yasar Kemal um die interkulturelle Verständigung zwischen Deutschen und Türken in Deutschland verdient gemacht hat. Beharrliches Engagement, hochwertige Projekte und ein Dialog auf Augenhöhe waren dabei die Garanten des Erfolgs und der nachhaltigen Wirkung.
»Gerade in diesen Zeiten gilt es, Zeichen gegen Nationalismus und Rassismus zu setzten«, unterstrich der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Prof. Dr. Oliver Scheytt, und zeigte sich überzeugt, »dass mit dem KulturForum TürkeiDeutschland ein würdiger Kulturpreisträger gefunden wurde, dessen Verständigungsarbeit beispielhaft für den deutsch-türkischen Kulturdialog ist.« Gerade für Deutschland als Einwanderungsland sei die interkulturelle Verständigung von existenzieller Bedeutung. Deshalb müsse sich die Kulturpolitik mehr als bisher um diese Frage kümmern und vor allem die Initiativen aus der Gesellschaft tatkräftig unterstützen.
Die Kulturpolitische Gesellschaft vergibt ihren Kulturpreis mittlerweile zum 6. Mal an eine Initiative, die sich der interkulturellen Kulturarbeit verschrieben hat. Mit dem Kölner KulturForum erhält jedoch zum ersten Mal eine von Migranten gegründete Initiative den Preis. Die vorherigen Preisträger waren: die Regionale Arbeitsstelle zur Integration ausländischer Kinder und Jugendlicher in Essen (1982), Radio Multikulti in Berlin (1995), die Werkstatt der Kulturen in Berlin (2003), die Stiftung Geißstraße in Stuttgart (2004) und das Kulturhaus Kresslesmühle in Augsburg (2006). Der Verband setzt damit bereits seit 30 Jahren kulturpolitische Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für interkulturelle Verständigung. Die Verleihung des Kulturpreises 2011 findet im Frühjahr 2012 in Köln statt.
Berlin/Bonn, den 28. November 2011
Bewahrung der Lebensgrundlagen ist eine kulturelle Aufgabe
Auch Kulturpolitik darf nach Fukushima nicht zur Tagesordnung übergehen!
Erklärung der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.
Der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. hat im Rahmen seiner Klausursitzung am 1./2. April 2011 in München auch über die Atomkatastrophe in Fukushima diskutiert. Dazu erklärt ihr Präsident Prof. Dr. Oliver Scheytt:
»Nicht erst seit der Atomkatastrophe von Fukushima ist das Vertrauen der Menschen in die Beherrschbarkeit der Atomkraft gestört. Mehr denn je wird gefragt, welche Entwicklungen tatsächlich dem Wohl der Menschen dienen und welche nicht zu verantworten sind. Einmal mehr wird deutlich, dass jede Politik den Erhalt und die Wahrung der natürlichen Lebensgrundlagen berücksichtigen muss. Notwendig ist eine Debatte über den Wohlstand, immaterielle Werte und neue Formen des gelingenden Lebens in der Gesellschaft. Immer lauter wird der Ruf nach einem Bewusstseinswandel, in dem das rein materielle Wachstum, die Konsumorientierung und der zunehmende Ressourcenverbrauch in Frage gestellt werden.
Kulturpolitik ist als Gesellschaftspolitik den Menschen und der Zukunftsfähigkeit ihrer Lebensweise verpflichtet. Zu ihren Aufgaben gehört es, Alternativen zu problematischen gesellschaftlichen Entwicklungen bewusst zu machen. Keine Gesellschaft kann ohne ethische Fundierung auskommen. Kulturpolitik hat deshalb auch die Aufgabe, die Selbstverständigung der Menschen über die Frage zu ermöglichen, wie sie leben wollen. Dazu gehören auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der natürlichen Umwelt und der Respekt vor dem Leben. Die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen ist auch eine kulturelle Aufgabe.
Auch die Kulturpolitik muss sich nach der Katastrophe von Fukushima ihrer Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit des Gemeinwesens stellen und darf nicht ohne Innehalten zur Tagesordnung übergehen. Alle gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen müssen nach ihren Möglichkeiten dazu beitragen, eine solche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima sind Erinnerung und Mahnung für die Kultur und die Kulturpolitik.«
Der Vorstand
Prof. Dr. Oliver Scheytt
- Präsident -
Bonn, 8. April 2011
