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Kulturpolitische Gesellschaft: Soziokulturelle Zentren dürfen kein Stiefkind der Kulturpolitik bleiben

Zu den unverzichtbaren Einrichtungen des öffentlichen kulturellen Lebens gehören nach Auffassung der Kulturpolitischen Gesellschaft auch die soziokulturellen Zentren. Anlässlich der Vorstellung einer aktuell erschienenen Studie zur Genese, den Profilen und den Perspektiven dieser 70 Kultureinrichtungen in Nordrhein-Westfalen im Kulturausschuss des Landtags erklärte ihr Geschäftsführer Dr. Norbert Sievers: »Soziokulturelle Zentren haben sich in ihrer dreißigjährigen Geschichte nicht nur bewährt, sie sind in vielerlei Hinsicht auch heute noch vorbildlich, weil sie sich als soziale Unternehmen zwischen Markt und Staat behauptet haben, weil sie neue Publikumsschichten für Kunst und Kultur erschließen und dem künstlerischen Nachwuchs Auftrittsmöglichkeiten verschaffen.«

Mit knapp 5 Millionen Besuchern und 12.900 Kulturveranstaltungen jährlich seien die Zentren kein Leichtgewicht mehr im Spektrum der öffentlich geförderten Kultureinrichtungen, sondern ein ernstzunehmender Bestandteil der kulturellen Grundversorgung. In Klein- und Mittelstädten spielten diese Häuser häufig eine zentrale Rolle als Kulturveranstalter, die nicht zur Disposition gestellt werden dürfe. Überdies sei allein die Tatsache, dass es diesen Einrichtungen gelinge, vor allem junge Menschen für Kunst und Kultur zu interessieren und auch MigrantInnen in ihre Arbeit einzubeziehen, kulturpolitisch nicht hoch genug zu bewerten.

Im Gegensatz zu anderen öffentlich geförderten Kultureinrichtungen – so der Geschäftsführer weiter – hätten Soziokulturelle Zentren sich schon früh am Markt behaupten müssen und erwirtschafteten jetzt im Schnitt fast 60% ihrer Mittel selbst. Damit sei das Limit des kulturpolitisch Verantwortbaren bereits überschritten, weil nicht-marktgängige Angebote darunter sehr zu leiden hätten. Die Kulturpolitische Gesellschaft empfiehlt daher der Landesregierung, alles in ihren Möglichkeiten stehende zu tun, um die Zentren finanziell besser auszustatten. Konkret schlägt sie vor, die Landesbüros für Soziokulturelle Zentren und Freie Kulturarbeit weiter aufzustocken, bauliche Modernisierungen fortzusetzen und die Förderpraxis den veränderten Verhältnissen anzupassen. Auch das Haushalts- und Zuwendungsrecht bedürfe mittelfristig der Korrektur, um den zivilgesellschaftlichen Organisationen mehr Spielräume zu verschaffen und eine aktivierende, dem Subsidiaritätsprinzip verpflichtete Kulturförderung zu ermöglichen.

Die Studie »Soziokulturelle Zentren in Nordrhein-Westfalen« ist vom Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitische Gesellschaft in enger Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokulturelle Zentren NW erstellt worden. Sie wurde vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und ist als Buch bei der Kulturpolitischen Gesellschaft in Bonn oder über den Buchhandel (Klartext Verlag Essen) erhältlich.

Bonn, den 30. April 2003

 

URL dieses Textes: www.kupoge.de/presse/030430_soziokultur.htm

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