Nachrichten aus der Kulturpolitik

Vinyl comes back

Die gute alte Schallplatte erlebt schon seit einiger Zeit eine Renaissance. War die Vinyl-Konjunktur bislang auf kleinere Labels beschränkt, entdecken jetzt auch die großen Unterhaltungskonzerne die neue Marktlücke. So wird Sony nach 30 Jahren Pause wieder Schallplatten produzieren. Das Werk soll in Tokio entstehen und bereits im März 2018 erste Retro-Scheiben auf den Markt bringen.

www.sony.com

Vernetzte Migrationsforschung

In Berlin hat das neu gegründete Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) die Arbeit aufgenommen. Die Bund-Länder-Forschungseinrichtung soll die Arbeit mehrerer Forschungseinrichtungen koordinieren und Standards für die Migrationsforschung in einem Einwanderungsland formulieren. Von 2017 bis 2020 stehen für die Arbeit 6,8 Mio. Euro zur Verfügung.

www.migazin.de

»Mitleidsdocumenta«

Zur Halbzeit der weltgrößten Ausstellung zeitgenössischer Kunst ziehen die Verantwortlichen in Kassel eine gemischte Bilanz. Während die Besucherzahlen bereits deutlich über denen der Vorgänger-documenta 2012 liegen, fällt die Einschätzung der Ausstellung weniger positiv aus. Vor allem die starke Politisierung der Kunst wird kritisiert, die »die Traumata von Menschen aus aller Welt kommentarlos« präsentiere.

www.zeit.de

Kulturbauten-Logik?

Bislang führt die Elbphilharmonie mit rund 1.000 Prozent Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Planung die Hitliste der Kulturbauten an, deren Errichtung finanziell aus dem Ruder lief. Nun sind die Kölner Bühnen dabei, bei den voraussichtlichen Sanierungskosten ebenfalls den vorgesehenen Finanzrahmen zu sprengen. Nach neuesten Berechnungen der Stadtverwaltung werden diese bis 2022 auf rund 570 Mio. Euro steigen.

www.stadt-koeln.de

Wissenschaftsfreiheit gewährleisten

Die Freiheit von Forschung und Lehre ist in vielen Ländern bedroht. Die Deutsche UNESCO-Kommission verurteilt die Verletzungen der Wissenschaftsfreiheit und fordert die Bundesregierung zu mehr Einsatz für dieses Grundrecht auf. Schließlich sind »freie wissenschaftliche Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und Mobilität von Personen und Ideen wichtige Grundlagen für Partnerschaft und Frieden zwischen den Nationen«.

www.unesco.de

Weihestätten zu Sozialeinrichtungen

Hitlers Geburtshaus in Braunau wird Sozialeinrichtung. Damit endet ein jahreslanger Streit mit der Besitzerin der Immobilie, der Ende letzten Jahres in der Enteignung durch den österreichischen Staat gipfelte. Dagegen hatte die Eigentümerin beim Verfassungsgerichtshof geklagt, war aber abgewiesen worden. Aufgabe des Innenministeriums ist es nun, mit der Klägerin eine angemessene Entschädigung für die Enteignung auszuhandeln.

www.euractiv.de

stadt.land.text

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Regionalen Kulturpolitik hat die nordrhein-westfälische Landesregierung das Projekt stadt.land.text NRW 2017 gestartet. In Anlehnung an die mittelalterliche Position des Stadtschreibers werden in den 10 Kulturregionen des Landes 10 Regionenschreiber unterwegs sein und ihre Eindrücke vom Alltag und der kulturellen Vielfalt auf einem Blog sowie auf Lesungen präsentieren.

www.stadt-land-text.de

Initiative kulturelle Integration macht weiter

Nach der Veröffentlichung der »Fünfzehn Thesen zur kulturellen Integration« haben sich die Mitglieder der Initiative getroffen und beschlossen, ihre Arbeit fortzuführen. Das Bündnis aus Spitzenverbänden der Zivilgesellschaft, der Kirchen und Religionsgemeinschaften, der Sozialpartner, der Medien, dem Bund, den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden will die angestoßene Debatte weiter forcieren.

www.kulturelle-integration.de

Kunststoffmuseum zieht um

Deutschlands einziges Kunststoffmuseum zieht von Düsseldorf nach Oberhausen. Vor rund 30 Jahren gegründet, war es den Verantwortlichen nicht gelungen, für die rund 20.000 Objekte von der Zahnbürste bis zum Trabi ein geeignetes Ausstellungshaus zu finden. Nun hat sich das Rheinische Industriemuseum bereit erklärt, die Bestände nach Oberhausen zu holen und in einem eigenen »Schaufenster« zu präsentieren.

www.deutsches-kunststoff-museum.de

Studienplatz Deutschland immer beliebter

Noch nie war Deutschland als Bildungsort für Migranten so populär wie heute. Die Zahl ausländischer Studenten in Deutschland ist 2016 mit mehr als 300.000 Eingeschriebenen auf einen neuen Höchststand geklettert. Damit hat sich die entsprechende Personengruppe seit der letzten Zählung 1991 verdreifacht. Kenner der Hochschulszene prognostizieren allerdings einen Rückgang wegen der geplanten Studiengebühren für Ausländer.

www.migazin.de

30 Jahre »Topographie des Terrors«

1987, also noch zur Zeiten der Bonner Republik, war sie in West-Berlin auf dem Gelände der vormals wichtigsten Zentralen des nationalsozialistischen »Sicherheitsapparates« eingerichtet worden: die Gedenkstätte zur Aufarbeitung und zur Aufklärung über die NS-Verbrechen. Seitdem setzt die als Stiftung geführte Einrichtung Maßstäbe als historischer Lernort für die schonungslose Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung.

www.topographie.de

Musikfonds fördert

Der im letzten Jahr neu eingerichtete Fonds für zeitgenössische Musik hat seine zweite Förderrunde gestartet. Noch bis zum 30. September 2017 können entsprechende Anträge gestellt werden. Gefördert werden herausragende Projekte aller musikalischer Sparten mit einer Antragssumme von bis zu 50.000 Euro. Insgesamt stehen dem Musikfonds 1,1 Mio. Euro aus Mitteln der Staatsministerin für Kultur und Medien zur Verfügung.

www.musikfonds.de

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Stalin immer beliebter

Für die meisten Russen ist mittlerweile wieder Stalin die herausragendste Persönlichkeit. Nach einer repräsentativen Umfrage des unabhängigen Levada-Instituts ist damit Lenin, der noch 2008 die Rankingliste anführte, auf den vierten Platz abgerutscht. An zweiter Stelle steht bereits Putin, gefolgt von Puschkin auf Platz 3. Als erster Deutscher schafft es Einstein immerhin auf Platz 16.

www.levada.ru

Kroatische Geschichtsentsorgung

In Zagreb soll der Marschall-Tito-Platz umbenannt werden. Das plant der sozialdemokratische Bürgermeister, die seit der Kommunalwahl auf die die Unterstützung der Rechten im Stadtparlament angewiesen ist. Kritiker sehen darin den Versuch, „die Vergangenheit auszulöschen, um Platz zu schaffen für eine Rehabilitation des faschistischen Ustasa-Staates.«

www.jutarnji.hr

Britische Statuen ins Netz

Die Stiftung Art UK plant, sämtliche Statuen in den öffentlichen Sammlungen Großbritanniens im Laufe von drei Jahren in einem öffentlichen Internetkatalog kostenlos zugänglich zu machen. Die Staatslotterie finanziert die Arbeit mit rund 2,8 Mio. Pfund, andere Spender haben weitere 1 Mio. Pfund beigesteuert. Die Gesamtkosten für das Digitalisierungsprojekt werden mit 5,2 Mio. Pfund veranschlagt.

https://artuk.org

Dokumentarfilmer gegen EU-Verordnung

Geht es nach Brüssel, dann sollen demnächst Dokumentarfilme über die Mediatheken-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender europaweit kostenlos abrufbar sein. Nach Ansicht der in der AG Doc organisierten Dokumentarfilmbranche in Deutschland wird die geplante Verordnung »fatale Auswirkungen« haben. Die internationale Online-Vermarktung trägt nicht unwesentlich zu den Einkünften der Filmemacher bei.

www.agdok.de

Berlin zeigt Kreuz

Das Berliner Stadtschloss, das als Humboldt-Forum ein kulturelles Schaufenster der Welt markieren soll, bekommt wie vorgesehen ein Kreuz auf der Kuppel. Der verantwortliche Stiftungsrat hat seine ursprüngliche Beschlusslage bekräftigt. Der Plan zur originalgetreuen Rekonstruktion des Kuppelaufbaus hatte wegen seiner Preußenaffinität nicht nur in Berlin die Gemüter bewegt. Evangelische und katholische Kirche begrüßten die Entscheidung.

www.humboldtforum.com

Museumsspitzenreiter

Mit rund 660 Häusern verfügt Westfalen-Lippe über eine der dichtesten Museumslandschaften Deutschlands. Vor diesem Hintergrund will der Landschaftsverband (LWL) ab 2019 seine Förderung kommunaler Museen um 350.000 Euro auf 1,5 Mio. Euro pro Jahr aufstocken. Beabsichtigt ist indes kein weiteres Wachstum, sondern die Sicherung bestehender Einrichtungen.

www.lwl.org

Ausländerrekord

In Deutschland leben erstmals seit den Wirren des 2. Weltkrieges mehr als 10 Mio. Menschen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, nahm die Zahl der Ausländer vor allem in den letzten 2 Jahren im Zuge der Flüchtlingskrise zu (+ 23,1 Prozent). Im gleichen Zeitraum erhielten rund 230.000 Zugewanderte die deutsche Staatsbürgerschaft.

www.euractiv.de

Ruhrresidence 2017

Der KunstVereinRuhr hat zwei Residenzformate ausgeschrieben. Mit GO erhalten 8 Künstler aus der Region Reisestipendien zur künstlerischen Weiterentwicklung im Ausland. Bei RETURN wird ein dreimonatiger Aufenthalt im Ruhrgebiet finanziert, um Überlegungen für neue künstlerische Arbeiten zu entwickelt. Bewerbungsschluss für beide Förderprogramme ist der 1. August 2017.

www.facebook.com/kunstvereineruhr

Werkstatistik des Bühnenvereins

Der Deutsche Bühnenverein hat seine Werkstatistik 2016/16 veröffentlicht. Danach steht im Musiktheater wiederum Mozarts »Zauberflöte« mit 27 Inszenierungen an der Spitze, vor Humperdincks »Hänsel und Gretel« und Bizets »Carmen«. Der unverwüstliche Mozart-Klassiker liegt auch mit 239.744 Besuchen bei den Zuschauerzahlen vorn. Lediglich das Musical »Starlight« konnte mit 441.623 Besuchen mehr Publikum anlocken.

www.buehnenverein.de

Preis für Streitkultur

Das Unperfekthaus in Essen hat den mit insgesamt 20.000 Euro dotierten SENSS-Award für Streitkultur ausgeschrieben. Prämiert werden Personen, Institutionen oder Firmen, »die dazu beitragen, zu einer achtsamen und menschenwürdigen Diskussionskultur zurückzukehren«. Gesucht werden sowohl neue Ideen wie auch bereits existierende Aktionen einer achtsamen Streitkultur. Bewerbungsschluss ist der 30. November 2017.

http://streitkultur-award.de

Publikum im Museumsfokus

Im Rahmen seines Projekts »Hauptsache Publikum!? Das besucherorientierte Museum« sucht der Deutsche Museumsbund nach innovativen Ideen für eine publikumsorientierte Sammlungsarbeit. 6 Museen erhalten dabei 2018 eine Förderung in Höhe von bis zu 5.000 Euro, um ihre Ideen im Rahmen einer Projektmaßnahme zu erproben. Bewerbungsschluss ist der 10 November 2017.

www.museumsbund.de

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