Urkundentext

»Die kulturelle Substanz darf keinen Schaden nehmen«, heißt es programmatisch im Einigungsvertrag, der das kulturelle Erbe Ostdeutschlands unter besonderen Bestandsschutz stellte. Doch bereits vor dieser Entscheidung des Deutschen Bundestages im Jahre 1990 hatten sich in Wittenberg – wie übrigens in vielen anderen DDR-Städten auch – Bürger und Bürgerinnen zusammengefunden, um kulturell wertvolle Bausubstanz vor Verfall und Abriss zu retten. Im Zentrum ihrer nachhaltigen Aktivitäten stand dabei vor allem das historische Ensemble der Höfe des Renaissancemalers Lucas Cranach.

Dem engagierten Wirken der Wittenberger Bürgerinitiative, die sich nach der Wende als »Verein Cranach-Höfe Wittenberg e.V.« konstituierte, war es schließlich zu verdanken, dass die beiden Gebäudekomplexe im Zentrum der Lutherstadt nicht nur behutsam restauriert, sondern auch mit kulturellem Leben gefüllt werden konnten. Die zu diesem Zweck gegründete »Cranach-Stiftung« wirkt dabei als Kristallisationskern mit dem Ziel, im Jahre 2003 – zum 450. Todestages des vormaligen Besitzers und Namensgebers Lucas Cranach d.Ä. – große Teil des historischen Ensembles in alter Pracht wieder erstehen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft einstimmig beschlossen, den diesjährigen Kulturpreis des Verbandes an die Cranach-Stiftung Wittenberg zu vergeben. Der Verband
würdigt damit das beispielhafte Engagement, das die Verantwortlichen vor Ort bei der Restaurierung und kulturellen Wiederbelebung der Cranach-Höfe in Wittenberg gezeigt haben. Die Cranach-Stiftung hat sich damit in besonderer Weise für ein gesamtdeutsches kulturelles Erbe sowie auch für den »Kulturaufbau Ost« exemplarisch verdient gemacht. Zur Preisverleihung laden wir herzlich ein!

Dr. Oliver Scheytt
- Präsident -