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Die Foren
Thema A: Strategien der Besucherorientierung für Kulturinstitutionen und
-events
Forum 1: Theater und Konzerthäuser
Die öffentlichen Theater und Konzerthäuser
gehören nach wie vor zu den Leuchttürmen der Kulturlandschaft in Deutschland.
Die bundesweit 150 öffentlichen Theater verzeichneten im Jahr 2003 allein 20
Mio. Besuche. Dennoch gibt es in vielen Einrichtungen die Sorge, die
erwarteten Auslastungszahlen nicht mehr erreichen zu können, weil das
traditionelle Theaterpublikum sich ausdifferenziert hat und keine verlässliche
Größe mehr darstellt im Marketing dieser Häuser. Von Besucherrückgang ist die
Rede, der die Theater und Konzerthäuser nicht nur ökonomisch belastet.
Notwendig sind deshalb neue Inhalte und Formate, um zusätzliches Interesse zu
generieren und nachhaltig zu binden. Viele neue Wege sind bereits beschritten
worden. Doch welche Konzepte sind wirklich praktikabel und übertragbar? Wie
werden die Theater und Konzerthäuser in Zukunft ihr Publikum finden,
begeistern und an sich binden können? Wie kann Besucherorientierung
programmbezogen umgesetzt werden, ohne künstlerische Ambitionen in Frage zu
stellen?
Forum 2: Kulturelle Bildung und Kulturpädagogik
Kulturelle Bildung und Kulturpädagogik haben in
vielen Einrichtungen ihren Ort: (Jugend-)Kunstschulen, Musikschulen, Kinder-
und Jugendtheater, Jugendkulturzentren sind die bekanntesten davon. Mit
Ausnahme der Musikschulen sind die institutionellen Formen so verschieden wie
die konkreten Angebote, die darin umgesetzt werden. Als Einrichtungen der
ästhetischen Erziehung und kulturellen Bildung im Freizeitbereich stehen diese
Institutionen der Kulturvermittlung in Konkurrenz zu vielen attraktiven
Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sich aktiv oder rezeptiv außerhalb
der Schule zu beschäftigen. Wie gelingt es ihnen dennoch, das Interesse der
jungen Generation zu finden und sie zu motivieren, nicht nur aktions- oder projektbezogen, sondern sich auch längerfristig kulturell zu bilden, ein
Musikinstrument, Maltechniken oder das Theaterspielen zu erlernen? Welche
neuen Möglichkeiten eröffnen sich diesen Einrichtungen, durch eine verstärkte
Kooperation mit den Schulen andere Bevölkerungsschichten oder jugendkulturelle
Milieus zu erreichen?
Forum 3: Museen und
Science-Center
Über 6000 Museen soll es in Deutschland geben
und jährlich kommen neue hinzu. Die meisten davon sind ehrenamtlich geführte
kleine Einrichtungen, die nur eine geringe öffentliche Unterstützung erhalten.
Ein Gutteil und immer mehr befinden sich jedoch in öffentlicher Trägerschaft
und konkurrieren untereinander um die Gunst der Besucher. Die Vielfalt des
Angebotes teilt das Interesse und setzt vor allem die großen Museen immer
mehr unter Druck, durch Sonderausstellungen und spektakuläre Aktionen auf sich
aufmerksam zu machen sowie durch eine konsequente Besucherorientierung die
Häuser für neue Besucher zu öffnen. Was traditionellen Museen oft schwerfällt,
ist einigen Science-Centern gelungen: die Präsentation der Objekte in einer
Art und Weise, die Lernen und spielerischen Zugang verbindet und dadurch
Distanz in der Betrachtung überwindet. Was können traditionelle Museen von
diesen Vermittlungsformen lernen? Haben sie andere Wege gefunden, um neues
Interesse zu erzeugen?
Forum 4: Festivals und Events
Festivals und sogenannte Events prägen immer
stärker das öffentliche kulturelle Geschehen. Viele von ihnen können
beeindruckende Besucherzahlen vorweisen. Bundesweit hatten diese
Veranstaltungen im vergangenen Jahr ein Publikum, das in die Millionen ging.
Die Formate sind denkbar unterschiedlich: von eher exklusiven Events der
Hochkultur bis zu bürgernäheren Großveranstaltungen im öffentlichen Raum.
Welchen Stellenwert haben solche kulturellen Ereignisse für die Kulturpolitik?
Welchen Beitrag liefern sie für das Interesse an Kultur in der Gesellschaft
und für eine kulturelle Öffentlichkeit? Bedarf es anderer Marketingstrategien,
um für Festivals zu werben? Worin bestehen sie und sind sie ggf. auch auf
Kultureinrichtungen übertragbar? Gibt es systematische Unterschiede in der
sozialen Zusammensetzung des Festivalpublikums im Verhältnis zu den Besuchern
der großen Kultureinrichtungen?
Forum 5: Soziokultur, Clubszene und neue
Locations
Die Zahl der Besucher von Einrichtungen im
frei-gemeinnützigen oder im OFF-Sektor der Kultur wird häufig unterschätzt.
Allein die ca. 440 Soziokulturellen Zentren konnten im Jahr 2002 27 Millionen
Besuche (ohne Gastronomie) verzeichnen. Dies zeigt, dass diese Einrichtungen
trotz aller Schwierigkeiten ihr Publikum finden und ein ernst zu nehmender
Faktor im Kulturbereich geworden sind. Doch was verbirgt sich hinter diesen
Zahlen? Gibt es nicht auch im Bereich der Soziokultur Nachwuchssorgen? Muss
nicht auch hier über Marketingstrategien nachgedacht werden? Wie könnten sie
aussehen? Andererseits: Kann es überhaupt ein Marketing für den OFF-Sektor
geben? Ist ein Denken in Kategorien der Nachhaltigkeit und Werbewirksamkeit
für eine Kultur überhaupt sinnvoll, die in neuen Locations nur solange
überleben will, wie diese eben neu sind? Sind nicht gerade Schnelllebigkeit
und Wechsel die Charakteristika dieser Szene?
Thema B: Strategien der Aktivierung kultureller
Teilhabe
Forum 6: Milieu- und Besucherforschung
Publikumsorientierung setzt Wissen über die
Besucher einer Einrichtung und über die (latente) Gruppe derjenigen voraus,
deren Interesse aktiviert werden könnte. Kulturmarketing wäre nicht so
erfolgreich, wenn es diese Erkenntnisse bzw. die Methoden, um sie zu erlangen,
nicht gäbe. Dennoch ist die Praxis der (Nicht-)Besucherforschung, also die
Erhebung von Daten zu den individuellen Dispositionen und Präferenzen der
(potenziellen) Kunden und ggf. auch der Restriktionen, die etwa einen
Theaterbesuch bislang erschwert haben, noch wenig entwickelt. Es fehlt noch an
den Ressourcen in den einzelnen Einrichtungen, aber auch an der Einsicht, dass
eine Besucherorientierung ohne Publikumsforschung keine ausreichende Grundlage
hat. Welche Erfahrungen und Modelle gibt es in diesem Bereich? Wie können sie
ein- und umgesetzt werden im Kulturmarketing einer Einrichtung und welche
Erfolge werden damit erzielt?
Forum 7: Kulturmarketing und neue Technologien
Modernes Kulturmarketing stützt sich zunehmend
auf die Möglichkeiten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.
Database Marketing, Ticketing und internetbasierte Kulturserver und -portale
wären ohne die neuen technischen Voraussetzungen nicht möglich. Die Optionen,
die dadurch gegeben sind, um gezielter zu werben, besser zu informieren und
den Kartenverkauf zu optimieren, werden jedoch noch unzureichend genutzt. Oft
fehlt das Geld, häufiger jedoch die Kenntnis der Möglichkeiten, um das
institutsbezogene Marketing technologisch umzustellen. Dabei ist evident, dass
diesen Strategien in der Informationsgesellschaft eine Schlüsselstellung
zukommt, wenn es darum geht, ein latentes Kulturinteresse in aktive kulturelle
Teilhabe umzuwandeln. Deshalb soll ein Überblick gegeben werden über die
Ansätze des Kulturmarketings, die sich auf diese neuen Technologien stützen.
Forum 8: Audience Development und
Anreizstrategien
Auch zeitgemäße Anreizstrategien und
Audience-Development-Programme, die zur Kulturteilhabe motivieren, sind
angewiesen auf Technikunterstützung. Kulturgutscheine, Museumscards oder neue
Abonnementssysteme hätten ohne sie nur halb so viel Aussicht auf Erfolg.
Dennoch stehen hier nicht die Technik, sondern die Pädagogik der Programme und
die Logik der sekundären Anreize im Vordergrund, um gegebenenfalls auch
›kulturfernere‹ Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Welcher Erleichterungen und
Verlockungen bedarf es, um kulturinteressierte Menschen zur tatsächlichen
Kulturteilhabe zu bewegen? Wie kann das alte sozialpsychologische Dilemma der
Differenz von Einstellung und Verhalten überlistet werden? Reichen finanziell
reizvolle Offerten und intelligente Kombinationsangebote oder bedarf es
persönlicherer Strategien der Besucheransprache und -betreuung? Welche
Konzepte haben sich als Modelle bewährt? Wie sind sie kulturpolitisch zu
bewerten, wenn der Hauptsinn der kulturellen Teilhabe gegenüber dem Interesse
kulturtouristischer Vermarktungsstrategien in die Defensive gerät?
Forum 9: Besucherorganisationen und
Kunstvereine
Besucherorganisationen haben im deutschen
Kulturleben an Bedeutung verloren. Dabei sind sie ein wichtiger Akteur im Feld
der Kulturpolitik und ein verlässlicher Partner bei dem Versuch der
Kulturinstitutionen, einen Besucherstamm zu bilden und an ihr Haus zu binden.
Eine nachfrageorientierte Kulturpolitik braucht Besucherorganisationen als
Gesprächs- und Verhandlungspartner. Und sie braucht institutionenbezogene
Vereinigungen wie Kunstvereine, in denen sich interessierte Menschen für die
Kultureinrichtung einsetzen können – als Ausdruck eines bürgerschaftlichen
Engagements für Kunst und Kultur. Noch gibt es aktive Theatergemeinden und
Kunstvereine, die mit modernen Methoden versuchen, die jeweilige kulturelle
Einrichtung oder das Kulturleben in der Stadt zu unterstützen. Was ist das
Geheimnis ihres Erfolgs? Welche Zukunft hat das so organisierte
Bürgerengagement im Kulturbereich? Welche neuen Impulse sind notwendig?
Forum 10: (Medien-)Kinder –
Kulturpublikum für morgen?
Kinder und Jugendliche sind zu einer umworbenen
Zielgruppe für die Kulturpolitik geworden. Dies liegt an einer neuen
Wertschätzung der kulturellen Bildung. Aufgrund des vergleichsweise hohen
Durchschnittsalters des Publikums in den öffentlichen Theatern, Konzert- und
Opernhäusern und der Umkehrung der Alterspyramide geht jedoch auch die Sorge
um, dass diesen Einrichtungen die Besucher ausgehen könnten. Was in einigen
Regionen und Bereichen schon Realität ist, könnte auf diese Weise zu einem
Grundproblem auch der großen Häuser werden: ihre Unterauslastung, die sie
nicht nur in finanzielle Nöte bringen würde. Trägt aber die Hoffnung, dass die
Kinder und Jugendlichen das Kulturpublikum von morgen sind? Oder muss nicht
vielmehr davon ausgegangen werden, dass die Mediengeneration andere kulturelle
Präferenzen ausbildet, die sie eben nicht in Theater und Konzerthäuser führt?
Gibt es verlässliche Trendaussagen dazu? Und was sagen sie der Kulturpolitik
von morgen?
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