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2. Kulturpolitischer Bundeskongress

 

inter.kultur.politik.

Kulturpolitik in der multiethnischen Gesellschaft

Programm des Kongresses
Die ReferentInnen des Kongresses
Die einzelnen Foren des Kongresses
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Organisatorische Hinweise zum Kongresses
 

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»Neue Heimat Deutschland«

Forum 1: Kulturkonflikt und Konfliktkultur in der Einwanderungsgesellschaft
Wie viele multiethnische Gesellschaften in Europa kennzeichnet auch die deutsche Einwanderungsgesellschaft ein zusätzliches Konfliktmoment: die wechselseitig offen gelebte und/oder subtil Gruppen zugeschriebene kulturelle oder ethnische Differenz. Das Nebeneinander von Religionen kann dieses Konfliktpotential verschärfen. Kennzeichen einer zivilen Gesellschaft ist es, dieses zusätzliche Konfliktmoment politisch, rechtlich und administrativ mit Mitteln des Rechtsstaats zu steuern und in kommunikativen Prozessen für die Stärkung einer demokratischen Kultur wechselseitigen Respekts fruchtbar zu machen. Die Diskussion wird sich dem Zusammenleben in der multiethnischen Gesellschaft widmet und dabei die Fragen behandeln, wie es befördert werden kann, wo es erschwert wird. Welche Wege gibt es zum Austragen, zum Ertragen und zur Bewältigung der Konflikte?

 

Forum 2: Suche nach Heimaten in einer globalisierten Welt
Was suchen Menschen, die nach Deutschland immigrieren? Ersatz für das Verlorene? Eine neue Heimat? Und deren Kinder: Finden sie Heimat in diesem Land, dort, wo sie aufwachsen und ihre Akkulturation erfahren? Wie beschreiben Menschen in Zeiten der Globalisierung ihre Beziehungen zu dem Ort, der Region, wo sie sich zuhause fühlen? Wird bislang lokal verortete Heimat zu einem biografischen Patchwork-Gebilde aus »Heimaten«? Welche Bilder, welche Motive prägen Erwartungen und ein aktives, gestaltendes Interesse der hier »Beheimateten« mit mehrschichtigen kulturellen Hintergründen? Wie werden daraus neue kreative Impulse für die Entwicklung lokaler und regionaler Milieus?

 

Forum 3: Ethnische Kolonien – Zwischen Ghetto und Stütze
Durch die anhaltende Migration in den vergangenen Jahrzehnten sind vor allem in den Großstädten quer zur sozialen Segmentierung des Gemeinwesens ethnisch definierte Strukturen getreten, die »ethnischen Kolonien«. Dieses Phänomen ist nicht neu, neu ist allerdings ihre Quantität und die Qualität der Fremdheit. Ethnische Kolonien sind Rückzugsräume sozialer und manchmal auch stadtregionaler Art, in denen Menschen Zuflucht suchen, die in ihrer Identität verunsichert und entwurzelt sind. Die Konfrontation mit Fremdem und Fremden im anderen Land begründet ihr Bedürfnis nach Identitätssuche und Absicherung in der eigenen ethnischen community, in der vertraute Gewohnheiten und Riten gelebt werden können und wo öffentlich die Muttersprache gesprochen werden kann. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Erfahrungen in der interkulturellen Kulturarbeit mit »ethnischen Kolonien« vorliegen. Gibt es Möglichkeiten und Ansatzpunkte der Kooperation mit Kulturvereinen oder kulturellen Institutionen? Kann Kulturarbeit Integration befördern, ohne Assimilation zu bewirken?

 
Lernorte der Weltkultur I

Forum 4: Literaturvermittlung für wen? Neue Strategien für Lesekultur in den heterogenen Milieus der Städte.
»Die Deutschen« haben eine ausgeprägte Lesekultur – so heißt es. Unterscheidet oder verbindet uns das mit den in Deutschland lebenden ImmigrantInnen? Zweifellos kann das Leseangebot unserer Bibliotheken und Verlage Verbindungen, kulturelle Brücken schlagen. Aber in welchem literarischen Horizont bewegen wir uns heute? Wie findet sich eine mit wachsenden Anteilen in hybriden Milieus sozialisierte Generation darin wieder? Wie können Bibliotheken mit schmaleren Budgets der wachsenden Komplexität an Interessen und Ansprüchen gerecht werden? Brauchen wir in den dezentralen Einrichtungen engere Verbindungen zu kulturellen Milieus in den Quartieren – z.B. Literatur in den Sprachen der ImmigrantInnen – oder muss gerade dort westliche Leitkultur über das literarische Angebot kommuniziert werden?

 

Forum 5: Sammeln, erinnern, neu wahrnehmen. Interkulturelle Konzepte musealer Arbeit
Museen können ideale Kontakthöfe für interkulturelle Dialoge darstellen, wollen sie nicht nur Orte des Erinnerns an Vergangenes, der Präsentation abgeschlossener Sammelgebiete, der stolzen Pflege des kulturellen Erbes, sondern auch Reflexionszentren der Gegenwart sein, wollen sie nicht nur zeigen, sondern auch fragen. Wenn sie die Thematisierung aktueller gesellschaftlicher und kultureller Prozesse als ihre Aufgabe ansehen, so werden sie neue Präsentationskonzepte entwickeln, ihre Sammlung neu befragen, von nationalem und ethnologischem Staub befreien und neue Vermittlungsformen suchen. Drei Museen, die sich intensiv dem interkulturellen Dialog und ihrem multikulturellen gesellschaftlichen Umfeld geöffnet haben bzw. öffnen wollen, werden ihr Konzept präsentieren und die Frage nach neuen Standards für Museumsarbeit nicht nur in ihren Häusern aufwerfen.

 

Forum 6: Kulturelle Bildung in neuen Horizonten. Zur Interkulturalität des öffentlichen Bildungsauftrags
Die Bedeutung der kulturellen Bildung wird neuerdings in der Kulturpolitik groß geschrieben. Angesichts der Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche sich zu anderen kulturellen Praktiken hingezogen fühlen als denen, die in der schulischen und außerschulischen Kunsterziehung und kulturellen Bildung vermittelt werden, wird befürchtet, dass in der nachwachsenden Generation das Interesse an dem tradierten Kanon der Künste sowie deren Institutionalisierungs- und Aufführungsformen schwinden könnte. Weitgehend unberücksichtigt bleibt dabei, dass die kulturellen Bedürfnisse und Traditionen der in Deutschland lebenden MigrantInnen in den Einrichtungen der kulturellen Bildung bislang kaum eine Rolle gespielt haben.
Muss der öffentliche Bildungsauftrag in der multikulturellen Gesellschaft neu definiert werden? Eröffnet sich dadurch ein erweiterter Horizont für die Institutionen und Akteure der kulturellen Bildung?

 
Lernorte der Weltkultur II
Forum 7: Welttheater auf öffentlicher Bühne. Internationalität und Interkulturalität in der darstellenden Kunst
Die Avantgarde des Tanzes, der interdisziplinären Performance orientiert sich stilistisch an internationalen Standards, an einem internationalen Diskurs. Bedeutet das, dass diese Codes überall auf der Welt verstanden werden? Haben Herkunft, kulturelle Prägungen noch eine Funktion in der darstellenden Kunst? Lohnt es noch, in Ausdrucksformen klassischer außereuropäischer Tanzkunst zu investieren? Und wie ist es im Sprechtheater? Bleibt es wie es ist: akzentfrei national? Welche Visionen haben die öffentlichen Bühnen in der globalisierten, von Migration durchzogenen Welt? Welche Geschichten, welche Erfahrungen kommen in der freien Szene zur Sprache? Und wenn Sprache Macht gibt: in welcher Sprache? Werden Theatertraditionen verschiedener Kulturen zu neuen Ausdrucksformen, zu einer neuen Ästhetik zusammenfinden?
 
Forum 8: Interkulturelle Kulturarbeit. Institutionen, Projekte, Events
Interkulturelle Kulturarbeit ist ein vernachlässigtes Thema der kommunalen Kulturpolitik; in der Regel betrifft das sowohl die Konzepte als auch die Finanzmittel und das Personal, die notwendig wären, um eine systematische und auf Kontinuität angelegte Kulturarbeit von und für MigrantInnen zu entwickeln und zu unterstützen. Deshalb bleiben die Empfehlungen der (Spitzen-)Verbände gutgemeinte Absichtserklärungen. Dennoch haben gerade in diesem Feld einige Kulturämter und Kulturinitiativen mit Projekten und Arbeitsansätzen auf sich aufmerksam gemacht, die z.T. bundesweit Nachahmung gefunden haben. Bei der Vorstellung einiger Good-Practice-Beispiele wird es auch um die Frage gehen, wie es perspektivisch gelingen kann, diese Initiativen auf Dauer zu stellen.
 

Forum 9: Jenseits von world. Laboratorien einer neuen Musikkultur
Kulturelle Werke und Werte entstehen nicht nur durch öffentliche Vermittlung und Subventionierung. Vor allem in den heterogenen Milieus der Städte entwickeln sich neue  (Sub-)Kulturen – spontan, selbstorganisiert und ohne öffentliche Förderung. Vielerorts sind auf diese Weise Laboratorien einer neuen Musikkultur entstanden, in denen sich die Einflüsse unterschiedlicher Lebenswelten und Musikstile vermischen. Der Musikmarkt hat die Produktivität und Kreativität dieser Szenen längst erkannt und aufgegriffen. Was kann Kulturpolitik tun, um die Rahmenbedingungen für diese kulturellen Prozesse zu verbessern? Welches Potenzial steckt in diesen Kulturen für die Entwicklung neuer, zeitgenössischer Musik?