Das Institut für Kulturpolitik

Haus der Kultur Kulturpolitik braucht Fakten, wenn sie sich weiterentwickeln will. Wissenschaftlich fundierte Informationen über die demografische Entwicklung und die damit einhergehende Veränderung kultureller Präferenzen und Orientierungen werden zukünftig als Planungsgrößen und Entscheidungshilfen im Kontext einer nachfrageorientierten Kulturpolitik immer wichtiger werden. Die Strukturen und Potenziale des Publikums und der Nutzer kultureller Einrichtungen werden immer genauer untersucht werden müssen, um die richtigen Maßnahmen bei der Infrastrukturplanung und im Management der Einrichtungen ergreifen zu können. Besuchsstatistiken reichen als Planungsdaten dafür nicht mehr aus. Die Kulturpolitische Gesellschaft hat sich schon vor dreißig Jahren dafür stark gemacht und die anwendungsbezogene Kulturpolitikforschung auf ihre Agenda gesetzt. Sie konnte sich dabei auf die Fach- und Sachkompetenz ihrer Mitglieder und des Vorstands stützen, hat jedoch von Beginn an der Recherche, Analyse und Forschung neben den vielen diskursorientierten Aktivitäten und Veranstaltungen einen großen Stellenwert in der Verbandskonzeption eingeräumt.

Mit dem Institut für Kulturpolitik, das im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen für die Region Bonn seit 1996 aufgebaut werden konnte, sind die Forschungsarbeiten intensiviert worden. Es hat die Aufgabe, jene Fachlichkeit zu generieren, die die Legitimation der verbandlichen Aktivitäten und Argumentationen stärkt. Für die Kulturpolitische Gesellschaft ist diese Ressource besonders wichtig, weil ihre Autorität nicht nur angewiesen ist auf die interne Beziehungsqualität des Verbands und die durch öffentliche Diskurse (und Personen) gestärkte öffentliche Anerkennung, sondern auch auf Wissen und Information. Fachlichkeit und Überzeugungskraft sind die wichtigsten Ressourcen von Verbänden, für die klassische Formen lobbyistischer Einflussnahme im Sinne von »pressure politics« nicht greifen. Dies gilt auch für die Kulturpolitische Gesellschaft. Sie ist kein Interessenverband im engeren Sinne, sondern vielmehr eine Organisation, die Kulturpolitik als öffentliche Aufgabe gesellschaftlich kommuniziert.

Andererseits sind das Netzwerk und der Kommunikationszusammenhang des Verbands die beste Gewähr dafür, dass die Arbeiten des Instituts praxis- und anwendungsbezogene Ergebnisse zeitigen, die in die unterschiedlichen Praxisfelder hinein vermittelt werden können. Das Kriterium der gesellschaftlichen Relevanz hatte stets große Bedeutung. Die Forschungs- und Recherchearbeiten finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern sind bezogen auf die kulturpolitische Praxis. So entsteht im Idealfall ein sich gegenseitig verstärkender Effekt, der die Wirkungsmöglichkeit des Verbands erhöht – eine Synergie mit beiderseitigem Vorteil. Aufgrund seiner Aktivitäten und Verbindungen erhält der Verband viele Informationen und Einsichten über kulturpolitische Zusammenhänge, Vorgänge und Entscheidungsprozesse, die andere Institute, die über ein solches Netz nicht verfügen, erst mühsam erarbeiten müssen. Andererseits kann die Kulturpolitische Gesellschaft in ihrer Meinungs- und Willensbildung auf einen Bestand aufbereiteten Wissens zurückgreifen.

Dies ist der Grund dafür, dass die enge Verbindung von Institut und Verband gewählt wurde. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass dieses Modell funktioniert und auch weiterhin Bestand haben kann. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern liegt Deutschland mit Blick auf wissenschaftliche Forschungsarbeiten im Kulturbereich weit zurück. Auch im Vergleich mit anderen Politikfeldern verfügt die Kulturpolitik über keine ausreichend entwickelte Forschungsinfrastruktur. Es gibt vielmehr einen Nachholbedarf an fundierten Recherchen und Untersuchungen. Dies wird den kulturpolitischen Akteuren auf Bundes- und Länderebene langsam bewusst. So ist zumindest zu hoffen, dass es in Zukunft mehr Mittel geben wird, um anwendungsbezogene Kulturpolitikforschung und in der Folge eine rationalere Kulturpolitik betreiben zu können.