Nachrichten aus der Kulturpolitischen Gesellschaft und dem Institut für Kulturpolitik

»Wer die Unfreiheit kennengelernt hat, weiß die Freiheit ganz anders zu schätzen«

Prof. Klaus Staeck ist neues Ehrenmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft

Am 22. September wurde dem Künstler, ehemaligen Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin und Gründungsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft, Prof. Klaus Staeck, die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, würdigte in seiner Laudatio die Verdienste von Klaus Staeck und sein Eintreten für eine bessere Gesellschaft mit den Mitteln der Kunst: »Kulturpolitik ist demokratischen Grundwerten verpflichtet. Sie ist auf Künstler angewiesen, die diskursbildend wirken und künstlerische Freiheit immer wieder neu verteidigen und erringen. Dafür stehen Leben und Person von Klaus Staeck. Sein Engagement galt und gilt der freiheitlichen und offenen Gesellschaft und dies auch dann, wenn es persönliche Risiken und Nachteile mit sich bringt.«  

v.l.n.r.: Prof. Dr. Oliver Schyett (Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.), Prof Klaus Staeck (ehemaliger. Präsident der Akademie der Künste in Berlin) und Prof. Dr. Olaf Schwencke (Kuratoriumsvorsitzender des Instituts für Kulturpolitik der KuPoGe).

Klaus Staeck wurde bekannt durch seine politische Plakatkunst, mit der er im öffentlichen Raum bisweilen stark provozierte. Für ihn war die Satire allerdings immer ein Medium, um die »unverschuldet Schwachen gegen den Übermut der Starken zu verteidigen«.

Er sagte: »Ich freue mich sehr über die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft durch die Kulturpolitische Gesellschaft, die sehr viel zur Weiterentwicklung und Prägung der Kulturpolitik in Deutschland beigetragen hat. Wir brauchen die Kulturpolitik heute mehr denn je, insofern hoffe ich sehr, dass die KuPoGe auch zukünftig als Institution der Tiefenreflexion wichtige Impulse zur Sicherung und Weiterentwicklung der kulturpolitischen Struktur leistet. Denn auch hier gilt: Nichts ist erledigt!«

Klaus Staeck ist nach Hilmar Hoffmann, Hermann Glaser, Paul Raabe und Gerhart Baum das fünfte Ehrenmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft.

 

365 Tage für die Offene Gesellschaft

Kulturpolitische Gesellschaft unterstützt die »Initiative Offene Gesellschaft«

Überall in Europa erstarken rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien, Feinde einer offenen Gesellschaft sitzen in den Parlamenten fast aller europäischer Länder, in manchen sogar in der Regierung, Ausgrenzungswünsche nehmen zu, und es breitet sich eine unangenehme Kultur des Hasses in Verhalten und Begriffen aus, der zunehmend auch die Mehrheitsgesellschaft infiltriert. Hat die Offene Gesellschaft ihre besten Tage hinter sich?

Die »Initiative Offene Gesellschaft« ruft bereits seit Herbst 2015 zur Auseinandersetzung mit diesen Themen auf, unter ihrem Dach fanden zahlreiche Debatten und Diskussionsveranstaltungen in ganz Deutschland statt. Seit dem 22.9.2016 läuft nun die Aktion »365 Tage für die Offene Gesellschaft«. Genau ein Jahr vor der Bundestagswahl rufen die Initiatoren alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, aktiv für ein offenes und demokratisches Deutschland einzutreten. Ziel der Bewegung ist es, der »schweigenden Mehrheit« ein Jahr vor der Bundestagswahl eine Stimme zu geben und eine positive Debatte über die Zukunft der offenen Gesellschaft zu führen. Die Initiative wird von Vertretern der Zivilgesellschaft aus allen Bereichen getragen.

Die Kulturpolitische Gesellschaft unterstützt diese Initiative, denn Kulturpolitik ist demokratischen Grundsätzen verpflichtet und braucht Offenheit und Freiheit.

Informationen unter: https://www.die-offene-gesellschaft.de/home

 

40 Jahre sind (nicht) genug! – Jubiläum der Kulturpolitischen Gesellschaft

Am 1. und 2. Juli 2016 feierte die Kulturpolitische Gesellschaft gemeinsam mit der MOTTE Hamburg-Altona ihren vierzigsten Geburtstag im Hamburg. Unter dem Motto »40 Jahre sind (nicht) genug – Kulturpolitik weiterdenken!« versammelten sich langjährige Mitglieder, der Vorstand, das KuPoGe-Team und zahlreiche kulturpolitisch Aktive und Interessierte.

Dr. Carsten Brosda, Staatsrat für Kultur, Medien und Digitales Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg eröffnete die hochkarätig besetzte Jubiläumsfeier mit der Feststellung, dass die Kulturpolitische Gesellschaft »ihre Visionen umgesetzt und stetig neue entwickelt« hat. Eine anschließend von Michel Abdollahi moderierte Podiumsdiskussion eröffnete den Dialog mit einer Debatte über die Zukunftsfähigkeit einer »Kultur für alle«. Im Anschluss bot das vielfältige Programm der Altonale den Rahmen zum Anstoßen auf 40 Jahre KuPoGe, aber auch für Austausch, Begegnung und Wiedersehensfreude.

Am zweiten Tag fand die Jubiläumstagung in den polymorphen Räumlichkeiten der MOTTE statt. Aus den Diskussionen der gut besuchten Workshops und dem vollen Open Space – der die Gelegenheit bot, spontan eigene Themen einzubringen – resultierte die Anregung, den künftigen Herausforderungen mit mehr Mut, größerer Transparenz, mehr Offenheit und intensiverer Kommunikation zu begegnen. Wir als KuPoGe freuen uns sehr über die vielen Anregungen und danken allen, die sich eingebracht haben. Wir werden versuchen, die Vorschläge nach Möglichkeit in der Verbands- und Regionalarbeit umzusetzen!

Für einen eindrucksvollen Abschluss im Resonanzraum sorgte die Performance von Mitgliedern des Ensembles Resonanz und HAJUSOM und nicht zu vergessen die Übertragung des spannenden EM-Viertelfinales gegen Italien.

Einen Beitrag auf »Scala« (das Kulturmagazin von WDR 5) zum vierzigsten Geburtstag der Kulturpolitischen Gesellschaft finden Sie hier.

 

Tagungsdokumentation: Zwischen Leitkultur und Laissez-faire

Der Beitrag der Kulturpolitik zur Demokratie angesichts weltweiter Migration

Viel ist in letzter Zeit von Werten, von unterschiedlichen Kulturen, Toleranz und der Notwendigkeit zur Veränderung, von Anpassung und Aushandlung die Rede. Die weltweiten Veränderungen, allen voran die Migrationsströme, ebenso damit zusammenhängende Befürchtungen und Mutmaßungen, lösen auch in unserer Gesellschaft soziale und kulturelle Konflikte aus. Kann Kulturpolitik in diesem Zusammenhang etwas zur Lösung beitragen, schlägt gar ihre große Stunde? Die Kulturpolitische Gesellschaft und die Evangelische Akademie Villigst in Schwerte hatten im Frühjahr 2016 eine Tagung geplant, auf der diesen Fragen sachlich und differenziert nachgegangen werden sollte. Jetzt ist eine Dokumentation mit einigen Beiträgen erschienen, die von einer selbstbewussten, eigenständigen Kulturpolitik zu bearbeiten sind.

Mit Beiträgen von Ulla Geiges, Peter Grabowski, Dr. Tobias Knoblich, Dr. Friederike Wappler und PD Dr. Michael Wimmer.

Bestellung: Zwischen Leitkultur und Laissez-faire. Der Beitrag der Kulturpolitik zur Demokratie angesichts weltweiter Migration (Neue Publikation, 70 Seiten) Kirsten Simon, Iserlohner Straße 25, 58239 Schwerte, Tel. 02304 / 755 307, 8.50 Euro plus Porto

 

»Compendium of Cultural Policies and Trends in Europe: Aktualisiertes Länderportrait Deutschland veröffentlicht

Das Online-Informationssystem bietet einen jährlich aktualisierten Überblick über die Strukturen der Kulturpolitik sowie kulturpolitischen Entwicklungen und Diskussionen in 43 Ländern Europas und in Kanada. Das Herzstück des Compendiums bilden die 44 Länderprofile. Sie umfassen jeweils etwa 50 bis 75 Seiten und sind in englischer Sprache sowie teilweise auch in den jeweiligen Nationalsprachen verfügbar. Die Profile bieten Einblicke in die Kulturpolitikstrukturen, aktuelle Entwicklungen und kulturpolitische Debatten, außerdem enthalten sie aktuelle kulturstatistische Daten der jeweiligen Länder. Alle Profile sind nach der gleichen Systematik aufgebaut: 1. historische Perspektive, 2. Aufbau und Entscheidungsstrukturen, 3. Ziele und Grundsätze, 4. aktuelle Themen, 5. gesetzliche Grundlagen, 6. Kulturfinanzierung, 7. Kulturinstitutionen, 8. Förderung künstlerischer Kreativität und 9. Weitere Informationen. Auf der Onlineplattform wird die Möglichkeit angeboten, für einzelne Kapitel vergleichende Abfragen für vom Nutzer auszuwählende Länder vorzunehmen.

Das Länderportrait Deutschland wird vom Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft verantwortet und regelmäßig in deutscher und englischer Sprache von Ulrike Blumenreich aktualisiert. Die aktuelle 75-seitige Fassung ist nun abrufbar unter www.culturalpolicies.net/down/germany_ol_012016.pdf (deutsch) und unter www.culturalpolicies.net/down/germany_012016.pdf (englisch).

 

9. Kulturpolitischer Bundeskongress 2017 – Save the Date

Der nächste Kulturpolitische Bundeskongress der KuPoGe findet vom 15. bis 16. Juni 2017 in Berlin und erstmals in dieser Konstellation gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), dem Goethe-Institut, dem Deutschen Städtetag sowie dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) statt. Er wird sich kulturpolitischen Grundfragen widmen, die in Zeiten verschwimmender Grenzen zwischen Innen und Außen für die gesamte Kulturpolitik von Bedeutung sind.

Vor diesem Hintergrund weisen wir gerne auf das Kultursymposium Weimar des Goethe-Instituts hin:

Teilen und Tauschen sind Grundlagen menschlicher Kulturpraktiken. Sie spielen in armen Ländern eine ebenso große Rolle wie in Wohlstandsgesellschaften. Wann aber teile ich überhaupt – und mit wem? Welche gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen ergeben sich aus den verschiedenen Erscheinungsformen des Teilens und Tauschens? Was bedeutet Vertrauen in Zeiten von Couchsurfing oder Carsharing?

Vom 1. bis 3. Juni bringt das Goethe-Institut mit der neuen Veranstaltungsreihe »Kultursymposium Weimar« hochkarätige Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Kultur und Politik nach Deutschland, die sich mit dem Thema »Teilen und Tauschen« als zeitlos-universelle Grundlagen menschlicher Kulturpraxis auseinandersetzen. Mit Jeremy Rifkin, Tomáš Sedlácek, Eva Illouz und vielen anderen.

Anmeldung und weitere Infos unter www.goethe.de/kultursymposium

  

Im Zentrum der Kulturpolitik: »Kulturimmobilien«

Neue Publikation – Neue Debatte

Kulturimmobilien wie Museen, Opern, Theater, Konzerthäuser, Kulturzentren, Bibliotheken und Volkshochschulen prägen als Bauwerke das Bild unserer Städte. Sie sind nicht nur Motoren der Stadtentwicklung sowie des Kulturtourismus und bergen ein Investitionsvolumen in Milliardenhöhe, sondern stehen auch im Zentrum der Kulturpolitik. Die Kulturpolitische Gesellschaft will sie deshalb neu zum Thema machen.

Den Auftakt dafür bildet die Publikation »Die Kulturimmobilie. Planen – Bauen – Betreiben«, die vom Präsidenten der Kulturpolitischen Gesellschaft Oliver Scheytt, Simone Raskob (Bau- und Umweltdezernentin der Stadt Essen) und Gabriele Willems (Geschäftsführerin Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen) herausgegeben wird. Darin wird diese Thematik erstmals umfassend behandelt. Im Frühjahr 2017 (17. bis 19. Februar 2017) wird sich dann das 62. Kulturpolitische Kolloquium der Ev. Akademie Loccum und der Kulturpolitischen Gesellschaft dieses Themas aus kulturpolitischer Perspektive annehmen.

Als Begründung dazu erklärt KuPoGe-Präsident Oliver Scheytt: »Deutschland rühmt sich seiner weltweit unvergleichlichen kulturellen Infrastruktur. Dies ist Chance und Bürde zugleich. Eine Chance liegt in den kulturellen Einrichtungen, wenn diese Orte der Kunstproduktion und -vermittlung die Vielfalt der Künste und Kulturen repräsentieren und weiterentwickeln. Eine Bürde sind sie, weil sie gut geplant, auskömmlich finanziert und zeitgemäß transformiert werden müssen, um ihr Potential auch in Zukunft entfalten zu können. In diesem Spannungsfeld zwischen Bürde und Chance von Kulturimmobilien liegen landauf, landab die Herausforderungen in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. Aus diesem Grunde gehört das Thema Infrastruktur ganz oben auf die Diskursagenda der Kulturpolitik.«

Die Publikation »Die Kulturimmobilie. Planen – Bauen – Betreiben« erscheint als Band 32 in der Reihe »Edition Umbruch« der Kulturpolitischen Gesellschaft; sie wird erstmals vom transcript Verlag in Bielefeld verlegt.

Presseerklärung als PDF sowie Bestellung

  

KuPoGe-Geschäftsführer mit neuer Aufgabe

Marc Grandmontagne wird Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins

Am 27. April ist Marc Grandmontagne vom Verwaltungsrat des Deutschen Bühnenvereins zum neuen Geschäftsführenden Vorstand gewählt worden. Er folgt ab Januar 2017 auf Rolf Bolwin, der dieses Amt seit 1992 innehat. Marc Grandmontagne ist seit Juli 2013 Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft und leitet seitdem gemeinsam mit dem langjährigen (Haupt-)Geschäftsführer Dr. Norbert Sievers die Geschäftsstelle der Kulturpolitischen Gesellschaft mit ihren verschiedenen Arbeitsfeldern. Zu diesem Wechsel erklärt KuPoGe-Präsident Prof. Dr. Oliver Scheytt: »Ich freue mich für Marc Grandmontagne über diesen großen Schritt in seiner beruflichen Laufbahn und wünsche ihm Glück und Erfolg für die neue Aufgabe. In den letzten drei Jahren seiner Tätigkeit hat er wichtige Impulse für die strategische Weiterentwicklung der KuPoGe geliefert. Diese Personalie ist indes ein gutes Beispiel dafür, dass Persönlichkeiten, die in der und für die KuPoGe arbeiten, ihre beruflichen Entwicklungschancen vergrößern können. Dies gilt nicht nur für unsere hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch für alle die, die sich ehrenamtlich engagieren. Erst in der letzten Vorstandsperiode sind zwei Mitglieder aus dem Vorstand ausgeschieden, weil sie Ministerinnen geworden sind.«