Institut für
Kulturpolitik
 

 
     
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Stadtfeste, Stadtentwicklung und Denkmalpflege
Freiwilligenbüros/Denkmalpflege

Theater

Museen sind Kultureinrichtungen, die erst mit der Moderne und dem Bürgertum entstanden. Die fürstlichen Kuriositätenkabinette und Wunderkammern bildeten zwar die Vorläufer hierzu, dienten aber als – in der Regel – nicht öffentliche Sammlungen den Potentaten vor allem zur Repräsentation und zum Protz. Anders die Theater und verschiedene Formen von Musik. Sie gibt es schon seit alters her, immer auch als zumindest teilöffentliche Veranstaltungen. Mit der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft entwickelten sich parallel zu den höfischen Theatern und Musikangeboten auch solche des Bürgertums. Am Anfang des bürgerlichen Theaters standen vor allem private »Wirtschafts«unternehmen, die sich selbst tragen mussten, und die Laienaufführungen der Bürger. Als sich aus den Privattheatern erst öffentlich geförderte, dann öffentlich getragene städtische Bühnen entwickelten, bestand das Bürgerengagement vor allem in der Form von Fördervereinen. Gleichzeitig bildete sich auch eine größer werdende und bald weit über das Bürgertum hinausgehende Bewegung von Laien- und Amateurtheatern heraus. Darüber hinaus blieben einige Privattheater bestehen und wurden im 20. Jahrhundert neue gegründet. Mit der Herausbildung der Freien Theater vor allem in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstand die heutige Struktur der Theaterlandschaft mit den etwa 150 städtisch beziehungsweise staatlich getragenen Theatern, über 200 größeren Privattheatern, einer großen Zahl professioneller und semi­professioneller Freier Theater sowie den etwa 1 600 im Bund Deutscher Amateurtheater zusammengeschlossenen Amateurtheatergruppen.

Die eigentliche Theaterarbeit in den ersten drei Gruppen wird von »hauptamtlichen«, in der Regel professionell aus- und fortgebildeten Schauspielerinnen und Schauspielern, Intendanten und Dramaturgen sowie den hauptberuflichen Bühnen- und Vorderhausbeschäftigten geleistet. Wobei das Freie Theater, die dritte Gruppe, hier eine Mischform darstellt, da neben den in der Regel professionellen, aber meist nicht allein davon lebenden Darstellerinnen und Darstellern einschließlich der eben­falls hauptberuflichen Regiearbeit hier viele der anderen Tätigkeiten hinter, vor und neben der Bühne in unterschiedlichem Umfang unentgeltlich oder zum Freundschaftspreis von Bekannten, Förderern und Freunden des Theaters wahrgenommen werden. Die vierte Gruppe, der Amateurtheaterbereich, wird wiederum nahezu ausschließlich ehrenamtlich betrieben.

Bei den kommunal- und landesgetragenen Theatern besteht der wichtigste Bereich ehrenamtlicher Unterstützung in den Aktivitäten ihrer Freundeskreise und Förder­vereine. Diese haben vor allem Lobbyfunktion für die Einrichtung. Insbesondere ge­genüber Wirtschaft und Politik betreiben sie »Friend«- und Fundraising. Sie wirken darüber hinaus in die allgemeine kulturelle Öffentlichkeit, organisieren Begleitver­anstaltungen zu einzelnen Aufführungen, Vorträge von Theaterleuten und kulturpo­litische Diskussionsabende. Durch gezielte Angebote und Aktivitäten wird beson­ders versucht, Schüler und Jugendliche für das Theater zu begeistern und daran zu binden. Zunehmend wichtiger geworden sind aber in Anbetracht der finanziellen Nöte vieler Theater die Aktivitäten der Fördervereine zur Gewinnung zusätzlicher Finanzmittel. Das meint Sponsoringakquise über Beziehungen ebenso wie Spenden­sammlungen oder die Organisierung von Benefizveranstaltungen. Ohne solche Akti­vitäten von Theatervereinen wären in einer Reihe von Theatern manche Aufführun­gen in den vergangenen Jahren nicht auf die Bühne gekommen. Je angesehener die kulturelle Institution in der Öffentlichkeit ist, desto größer ist in der Regel der je­weilige Unterstützungsverein oder Freundeskreis. Deshalb verfügen Stadt- und Staatstheater und prominente Orchester meist über mitgliederstarke, finanzkräftige Fördervereine.

Vom Deutschen Bühnenverein als Verband der Rechtsträger und der Theaterleitungen werden über Unterstützungsvereine hinausgehende Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements an den Theatern eher gering eingeschätzt und darüber die wesentlichen Leistungen bürgerschaftlichen Engagements im Theater- und Museumsbereich darin gesehen, dass die Besucher ihre kritische Rolle als Rezipienten wahrnehmen und sich ästhetisch, moralisch und politisch bilden. Die finanzielle Unterstützung durch die Spenden- und Sponsoringaktivitäten der Theaterfreundeskreise werden als wichtigste Form bürgerschaftlichen Engagements am Theater angesehen, ohne dass daraus allerdings irgendwelche Partizipationsansprüche abgeleitet werden dürfen.

Als weitere Einsatzmöglichkeit für ehrenamtliches Engagement wird von einigen hauptamtlich geführten Theatern auch die Mitarbeit im »Vorderhaus«bereich, etwa an der Kasse, Garderobe oder beim Programmverkauf, gesehen sowie teilweise bei den Statisten oder in der ausnahmsweisen Ergänzung des Chors durch Laienchöre bei großen Musikwerken.

Eine andere, auch ins 19. Jahrhundert zurückreichende Form ehrenamtlichen Engagements am und für das Theater besteht in der Arbeit der Besucherringe wie den Theatergemeinden und Volksbühnen, die aus der christlichen beziehungsweise Arbeiterbildungsbewegung hervorgegangen sind. Die hauptamtlich betriebenen Geschäftsstellen werden dabei meist durch ein breites Netz ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt, die bei der Auswahl der Stücke mitsprechen, Begleitveranstaltungen durchführen und gemeinsam mit der Geschäftsstelle die Mitglieder und Abonnenten betreuen. Nach einer Erhebung vom Sommer 2002 arbeiten trotz eines Rückgang in den letzten Jahrzehnten gegenwärtig 64 Volksbühnen in bundesrepublikanischen Städten. (Vgl. Hadamczik 2002) Dieser Ansatz einer stärkeren Besucherbindung über den Einsatz von Ehrenamtlichen ist auch am Nationaltheater Weimar aufgegriffen und mit einem Netz ehrenamtlicher »Kontaktpersonen« weiterentwickelt worden. Im Umkreis von 120 Kilometern um Weimar stellen sie eine Verbindung zwischen Theater und Besuchern her. Die Verteilung des Informationsmaterials, der Verkauf der Theaterkarten und die Organisation der Fahrten zum Theater liegen in den Händen der Kontaktpersonen. Als Bindeglied zwischen Theater und Besuchern agieren sie in beide Richtungen. Da sie einen Einblick in den Theaterbetrieb haben, zu den Generalproben und den Premieren ein­schließlich Premierenfeiern eingeladen werden, können sie überzeugend aus eigener Anschauung für das Theater werben. Umgekehrt können sie für Regie, Dramaturgie und Theaterleitung auch als »Ohr am Theaterpublikum« wichtige Eindrücke und Einschätzungen vermitteln. Zwischen 1997 und 1999 stieg die Zahl der Besucher, die über Kontaktpersonen ins Nationaltheater kamen, von 7 000 über 14 000 auf 19 000.

In den hier vorgestellten Beispielen ehrenamtlicher Aktivitäten im Theaterbereich wird zum einen am Beispiel vom Nationaltheater Weimar und der Theatergemeinde Bonn auf die Besuchergewinnung und -bindung durch ehrenamtliches Engagement eingegangen. In zwei weiteren Beiträgen wird die Arbeit von Freundeskreisen und Fördervereinen beschrieben. Andere Berichte behandeln den ehrenamtlich getragenen Amateurbereich und das Verhältnis von Ehrenamtlichkeit und freier Theaterarbeit.