In der Bundesrepublik gibt es schätzungsweise
eine Million Menschen, die berufsmäßig und sieben Millionen, die als
Laienmusiker Musik machen. (Neue Musikzeitung 4/2001) Die Berufsmusiker
arbeiten vor allem in den öffentlich getragenen und weitgehend öffentlich
finanzierten Orchestern und Chören unterschiedlichster Art. In den
theatertragenden Städten sind sie vielfach an die städtischen und
Staatsbühnen oder die Rundfunkanstalten angebunden. Hinzu kommen noch über
50 weitere öffentlich geförderte Kulturorchester. Das Arbeitsfeld dieser
professionellen Kollektive und Einzelkünstler liegt vorwiegend im öffentlich
finanzierten Bereich, es ist aber auch teilweise eng mit der privaten
Musikwirtschaft verknüpft.
Ehrenamtliche Unterstützung dieses
professionellen Musikbereichs besteht wie bei den Stadttheatern vor allem in
Gestalt der Fördervereine und Freundeskreise, deren Arbeit sich wenig von
diesen unterscheidet.
Darüber hinaus arbeiten speziell an kleineren
Orten oder in Stadtteilen ehrenamtliche Musik- und allgemeine Kulturvereine,
deren Zweck die Organisation von Musikveranstaltungen ist. Oft fühlen sich
diese Vereine oder Einzelpersonen einer speziellen Epoche oder
Musikrichtung verpflichtet, teilweise sind sie auch an Kirchengemeinden
gebunden. Bei dieser Veranstaltungsorganisation fallen für die ehrenamtlich
Engagierten nahezu alle Tätigkeiten an wie für hauptberufliche
Musikveranstalter in kommunaler oder privatwirtschaftlicher Trägerschaft.
Die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit im
Musikbereich liegt aber vor allem in der Laienmusik. In den Vereinen und
Verbänden der weltlichen und kirchlichen Vokal- und Instrumentalmusik von
Laien sind 2,4 Millionen Mitglieder organisiert. Davon sind 1,5 Millionen
als Sängerinnen und Sänger und 700 000 als Musikerinnen und Musiker aktiv.
Hinzukommen noch knapp 900 000 Aktive in Musikschulen und etwa 100 000 in
Volkshochschulen sowie eine halbe Million in Pop-, Rock-, Jazz- und
Folkloregruppen. Zu dieser Zahl von 3,7 Millionen aktiven Laienmusikern und
-sängern kommen noch etwa zwei Millionen passive, fördernde Mitglieder
hinzu. (Nicht mitgerechnet werden die 360 000 Schülerinnen und Schüler in
privatem Musikunterricht und 900 000 in allgemeinbildenden Schulen.)
(Angaben nach Rohlfs 2002)
Dass diese fast vier Millionen aktiven
Instrumentalistinnen und Instrumentalisten beziehungsweise Sängerinnen und
Sänger ihren musikalischen Interessen und Neigungen nachgehen können, hängt
im Wesentlichen von dem hohen Arbeitseinsatz und Engagement bei der
größtenteils ehrenamtlichen Arbeit in den Vorständen und Geschäftsführungen,
bei der Proben- und Veranstaltungsorganisationen, den pädagogischen
Aktivitäten und der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Instrumenten- und
Notenpflege ab. Zu diesem ehrenamtlichen Management kommt die nur teilweise
entlohnte Arbeit der künstlerischen Chor- und Übungsleitung. Die besondere
Wichtigkeit dieser ehrenamtlichen Aktivitäten für das kulturelle Leben zeigt
sich besonders daran, dass – entgegen landläufigen Vermutungen – der Anteil
von jungen Menschen in Instrumental- und Vokalmusikvereinen je nach Sparte
und Musikrichtung zwischen 30 und 70 Prozent umfasst. (Siehe Rohlfs 2002)
In einer ersten für ein Bundesland
flächendeckenden Studie hat Karl Ermert mit einer Forschergruppe das
Amateurmusikwesen von Niedersachsen untersucht. Der Umfang, die Struktur,
die Motive und Probleme ehrenamtlicher Arbeit im Laienmusikbereich standen
dabei im Mittelpunkt. Erkenntnisse dieser Studie sind unter anderem, dass
Laienmusik auf dem Land erheblich stärker als in städtischen Gebieten
verbreitet ist, aber auch dass die Mitgliederzahlen in den Musikvereinen
ansteigen, wobei es stärkere Verschiebungen zwischen den Musikarten gibt.
Auf die rund 460 000 Amateurmusiker und -sänger im Verbandsbereich des
Landesmusikrats Niedersachsen entfallen etwa 40 000 Ehrenamtliche als
Vereins- und Übungsleitung, bei der organisatorischen und technischen
Mitarbeit sowie der Nachwuchs- und Jugendbetreuung. Von diesen nehmen 40
Prozent teils im eigenen Verein, teils anderswo weitere Ehrenämter wahr.
(Vgl. Ermert 1999) Hochgerechnet auf den Laienmusikbereich der gesamten
Bundesrepublik wären hier knapp 500 000 Ehrenamtliche aktiv.
In den hier versammelten Beiträgen zur
ehrenamtlichen Arbeit im Musikbereich werden Ergebnisse der
Niedersachsenstudie zur Laienmusik, Erfahrungen ehrenamtlichen Engagements
in Musikverbänden und beim Jugendorchesterwettbewerb sowie in der Arbeit
eines Vereins zur Organisierung von Kammermusikkonzerten und in der
kirchlichen Musikarbeit dargestellt.