Ehrenamtliche Arbeit im Museumsbereich hat
die längste Tradition und ist – verglichen mit den anderen traditionellen
Kultureinrichtungen – hier am verbreitetsten. Von den etwa 5 500 Museen in
Deutschland sind knapp 60 Prozent in öffentlicher, 35 Prozent in privater
und 6 Prozent in gemischter, privat-öffentlicher Trägerschaft. Die Museen in
öffentlicher Trägerschaft werden in der Regel von hauptamtlich Beschäftigten
geleitet und getragen. Bezogen auf die Gesamtzahl der in diesen Museen
Tätigen arbeiteten dort bereits Mitte der neunziger Jahre etwa 12 Prozent
ehrenamtlich Aktive bei 80 Prozent hauptamtlich Voll- und
Teilzeitbeschäftigten und 8 Prozent freien Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern. Dieses Verhältnis wird sich heute zugunsten des Anteils der
ehrenamtlich Engagierten weiter verschoben haben, da gerade in den letzten
Jahren viele Museen sich verstärkt erfolgreich um freiwillige
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemüht haben.
Wie rasch sich das Verhältnis von haupt- und
ehrenamtlich Aktiven innerhalb eines Jahrzehnts verändern kann, wenn eine
entsprechende Offenheit bei den Hauptamtlichen und vor allem bei der Leitung
vorhanden ist, zeigt beispielsweise die Entwicklung im kulturhistorischen
Reiss Museum in Mannheim, wo es 1990 fünf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter gab, während es 1998 bereits 203 waren – bei 62 haupt- und
nebenamtlich Beschäftigten. (von Welck 1998)
Museumsdienste und Aufsicht, Besucherführung,
Auskunfts- und Informationsarbeit, museumspädagogische Aufgaben,
Dokumentation, Archive und Ordnungsarbeiten, Ausstellungsplanung und
-organisation, Forschungs- und Ausgrabungstätigkeiten, Publikationen,
Kataloge, EDV-Unterstützung, Betrieb des Museumsshops und des Cafébetriebs –
alles das sind Arbeiten, die in kommunalen, hauptamtlich getragenen Museen
unabhängig von ihrer Art auch teilweise von Ehrenamtlichen (mit)
wahrgenommen werden.
Die etwa 2 000 Museen in privater
Trägerschaft werden vor allem von Vereinen getragen sowie – in geringerem
Umfang – von Privatpersonen und Firmen. Die
überwiegende Mehrzahl der Museen in Vereinsträgerschaft werden ehrenamtlich
betrieben. Das Verhältnis von haupt- und ehrenamtlich geführten Museen
stellt sich in den einzelnen Ländern unterschiedlich dar. So werden
beispielsweise von den 280 Museen, die Mitglied im Hessischen Museumsverband
sind, ein Drittel haupt- und zwei Drittel ehrenamtlich geleitet. Dabei hat
sich zwischen 1975 und 1995 die Zahl der ehrenamtlich geleiteten Museen in
Hessen verdoppelt. In Niedersachsen sind von 500 Museen nur 120 hauptamtlich
geleitet und in Baden-Württemberg sind es von knapp 1 000 Museen lediglich
220. (Angaben nach: Zimmer 1997, Sartorius 1998)
Bezogen auf die Gesamtzahl der in allen
Museen Beschäftigten geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass
jede/jeder vierte in Museen Aktive ehrenamtlich tätig ist. In den
Flächenstaaten ist es etwa die Hälfte.
Auch wenn die Zahl der ehrenamtlich Aktiven
in den größeren hauptamtlich getragenen Museen in den letzten Jahren
gestiegen ist, so arbeitet das Gros dieser Freiwilligen in Museen ohne
hauptamtlich Beschäftigte. Sie haben deshalb nahezu das ganze
Arbeitsspektrum, das beim Betreiben eines Museums anfällt, zu leisten. Ohne
das breite ehrenamtliche Engagement im Museumsbereich wäre nicht nur das
Leistungsangebot in den öffentlich getragenen Einrichtungen erheblich
eingeschränkt, sondern die Museumslandschaft wäre sehr viel ausgedünnter und
dürrer, da vor allem im ländlichen Raum, aber nicht nur dort, viele Heimat-,
Geschichts-, Naturkunde- und technik- beziehungsweise kulturgeschichtliche
Museen überhaupt nicht existieren würden.
Die zentrale Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit
für die Vielfalt der Museen in Deutschland hat der Präsident des Deutschen
Museumsbundes, Martin Roth, im »Jahrbuch für Kulturpolitik 2000«
hervorgehoben: »Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre unsere vielseitige
Museumslandschaft erheblich ärmer. Das Spektrum reicht von Neugründungen,
dem Erwerb ganzer Sammlungen, dem Unterhalt und dem Betrieb vieler Museen,
die der ehrenamtlichen Initiative zahlreicher Bürgerinnen und Bürger zu
verdanken sind. Dies betrifft nicht nur Museen mit langer Tradition (zum
Beispiel Gründung eines Museums durch einen Kunstverein), sondern spiegelt
sich auch heute im Erscheinungsbild zahlreicher Häuser, die rein
ehrenamtlich von Heimat- oder Museumsvereinen getragen und geführt werden.
Und besonders in Zeiten rückläufiger öffentlicher Haushalte nimmt die Rolle
der ideellen und materiellen Förderung durch bürgerschaftliches Engagement
auch bei größeren staatlichen und nichtstaatlichen Museen stetig zu.
Orientiert am veränderten Freizeitverhalten halten zahlreiche Museen für die
Besucher attraktive Angebote wie Museumsshops, Restauration oder
pädagogisches und kulturelles Begleitprogramm bereit. Im Bereich dieser
Dienstleistungen haben sie mit Hilfe der ehrenamtlich Tätigen erstaunliche
Flexibilität und Kreativität entwickelt.« (Roth 2001: 257)
Die hier exemplarisch vorgestellten Beispiele
ehrenamtlicher Arbeit in Museen geben einen Eindruck von der Vielfalt der
Formen, die dieses Engagement hier hat, und der dabei ausgeübten sehr
unterschiedlichen Tätigkeiten. Zwei vorangestellte Beiträge vermitteln einen
kurzen Überblick über die Vielzahl von Aktivitäten. Die Einsatzfelder von
Ehrenamtlichen in kunst- und kulturgeschichtlichen Museen werden in einigen
Erfahrungsfeldern ebenso geschildert wie die Arbeit in ehrenamtlich
getragenen heimat- und technikgeschichtlichen Museen.