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Bernd Wagner, Kirsten Witt
Engagiert für Kultur
Einleitung
Die Vielfalt des kulturellen Reichtums in
Deutschland besteht in der großen Zahl von Kultureinrichtungen, dem engen
Netz von Stadt- und Staatstheatern, der reichhaltigen Museumslandschaft von
der kleinen dörflichen Heimatstube bis zu den vielen Spezialmuseen in den
Großstädten, den flächendeckenden musikalischen Angeboten von den kleinen
Musikensembles und Chören bis zu den großen, weltweit renommierten
Klangkörpern. Das bis weit in ländliche Gebiete reichende Bibliothekswesen,
ein in sich greifendes Ensemble kultureller Bildung von Musik- und
Jugendkunstschule bis Volkshochschule und ländlicher Erwachsenenbildung
sowie eine Vielzahl von soziokulturellen Zentren, Bürger- und Kulturhäusern
komplettieren das Bild der reichen Kulturlandschaft Deutschland.
Dass sich diese vielgestaltige Landschaft
kultureller Angebote und Institutionen herausgebildet hat und weiter
entwickelt, basiert zu einem gewichtigen Teil auf dem unentgeltlichen,
ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagement vieler Menschen. Viele der
kulturellen Einrichtungen und kulturell-künstlerischen Angebote sind durch
solche Engagements und Selbstorganisation entstanden und erst später von der
öffentlichen Hand unterstützt beziehungsweise von ihr übernommen worden. Und
auch die meisten vollständig kommunal beziehungsweise staatlich getragenen
und finanzierten Kulturinstitutionen werden in ihrer Arbeit durch die
ehrenamtlichen Aktivitäten vieler Engagierter unterstützt. Sie bereichern
und erweitern die Leistungen der Kultureinrichtungen, tragen dazu bei, dass
die Angebote bürgernäher organisiert sind, erhöhen die Identifikation der
Bürgerinnen und Bürger mit den Kultureinrichtungen in ihrer Stadt und geben
vielen Menschen die Möglichkeit, sich am kulturellen Leben aktiv zu
beteiligen.
Es gibt kaum Tätigkeiten, die – je nach Art
und Größe der Einrichtung und des Angebotes – nicht auch von ehrenamtlich
Engagierten unterstützt und wahrgenommen werden. Vor allem sind es
inzwischen eine Vielzahl von Aktivitäten in den Kulturinstitutionen, die
ohne die freiwillige Mitarbeit vieler nicht beziehungsweise nicht mehr
stattfänden. So gäbe es beispielsweise in nicht wenigen Museen nur
eingeschränkt Führungen, die museumspädagogische Betreuung würde oft
ausfallen, der Museumsshop wäre verwaist. Für Ausstellungen zeitgenössischer
Kunst des Kunstvereins fehlten die Mittel, in Bibliotheken fielen die
Besuchereinführungen ebenso weg wie die Vorlesenachmittage für Kinder. Für
die aufsuchende Bibliotheksarbeit in Krankenhäusern und Altenheimen fehlten
die Kräfte, die Bücherbasare fielen aus und einige kleine
Bibliothekszweigstellen im Stadtteil wären inzwischen geschlossen. Im
Städtischen Theater kämen manche Stücke nicht zur Aufführung, da die Mittel
aus den Sponsoringaktivitäten und Spendensammlungen des
Theaterfreundeskreises fehlten, und ohne Besucherringe kämen weniger
Zuschauer.
In Bürgerhäusern, Soziokulturzentren und
Kulturläden wäre die Programmvielfalt eingeschränkt, die Bewerbung reduziert
und die Veranstaltungskosten lägen erheblich höher. Arbeitskreise würden
nicht stattfinden und manche Arbeiten liegen bleiben. Ohne das Engagement
der Eltern wäre die Musikschule vielleicht nicht entstanden und ohne den
Trägerverein und aktive Elternmitwirkung könnte sie nicht existieren. Das
Literaturhaus gäbe es ohne die Bürgerinitiative nicht und sein Betrieb wäre
ohne das Engagement des Fördervereines nicht aufrecht zu erhalten.
Diese und eine Vielzahl weiterer Tätigkeiten
werden in Kultureinrichtungen in kommunaler oder freier Trägerschaft
vielfach durch unentgeltliches ehrenamtliches Engagement wahrgenommen. Hinzu
kommt die große Zahl der Musik- und Heimatvereine, die Literaturkreise und
allgemeinen Kulturvereine, die Möglichkeiten zur aktiven Mitwirkung am
kulturellen Leben bieten und die nahezu vollständig ehrenamtlich getragen
werden.
Im ländlichen Raum ist die zentrale Bedeutung
ehrenamtlichen Engagements für das Kulturleben noch um vieles größer. Eine
Reihe von Einrichtungen, die in den Städten hauptamtlich betrieben werden,
basieren dort weitgehend auf ehrenamtlicher Arbeit. Das betrifft die
Aktivitäten der Volkshochschulen und Bibliotheken, die Denkmal-, Heimat- und
allgemeine Kulturpflege, die Trägerschaft von Heimatstuben,
Geschichtsmuseen, Kulturtreffs und Kunstgalerien. Auch die Organisation von
Lesungen, Musikaufführungen, Kulturveranstaltungen und Kunstgalerien findet
hier weitgehend auf privater Basis statt. Und natürlich spielt hier das
kulturelle Vereinswesen eine noch größere Rolle als in den Städten.
Über 2 Millionen Menschen sind, so die
Ergebnisse der umfassenden Erhebung »Freiwilligensurvey«, in der
Bundesrepublik im Kulturbereich ehrenamtlich aktiv, von denen zahlreiche
sich oft nicht nur in einem Verein oder einer Einrichtung sondern in
mehreren ehrenamtlich engagieren. Mit einem Anteil von 5 Prozent
ehrenamtlich Aktiver an der erwachsenen Gesamtbevölkerung liegt der Bereich
»Kultur und Musik« gemeinsam mit dem kirchlich-religiösen Bereich auf dem 4.
Platz, nach »Sport und Bewegung« mit 11 Prozent und »Schule/Kindergarten«
und »Freizeit/Geselligkeit« mit jeweils 6 Prozent. Erst danach folgen der
Sozialbereich (4 %) und »Politik/politische Interessenvertretung« (ca. 3 %).
Nach dieser bislang umfassendsten Studie sind in der Bundesrepublik rund 22
Millionen ehrenamtlich Engagierte in etwa 35 Millionen ehrenamtlich
ausgeübten Tätigkeiten aktiv. Für den Kulturbereich liegt die Zahl der
ehrenamtlichen Aktivitäten bei 3,5 Millionen, die von ca. 2,1 Millionen
Menschen, die hier ehrenamtlich aktiv sind, wahrgenommen werden. (Vgl.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000)
Vielfach hat das ehrenamtliche Engagement in
Museen, Theatern und Musikeinrichtungen und vor allem im kulturellen
Vereinswesen eine hundert-, manchmal auch zweihundertjährige oder noch
länger zurück reichende Tradition, die oftmals mit der Entstehung der
Einrichtungen begann. In den siebziger und achtziger Jahren des 20.
Jahrhunderts kam es mit dem soziokulturellen Aufbruch im Rahmen der Neuen
Kulturpolitik zu einem erneuten Schub bürgerschaftlich freiwilligen
Engagements vor allem für die vielen dadurch neu entstandenen Projekte,
Initiativen und Einrichtungen der kulturellen Bildung, der Soziokultur und
der vielfältigen anderen Formen freier Kultur.
Zwischen
Instrumentalisierung und neuer Kulturverantwortung
Seit einigen Jahren gibt es eine erneute
Ausweitung bürgerschaftlicher Aktivitäten im Kunst- und Kulturbereich. Ein
Anlass dafür ist die Finanznot der öffentlichen Haushalte, die seit den
neunziger Jahren die Kommunen zur Reduzierung von Leistungen und Schließung
von Einrichtungen zwingt. Das trifft vor allem auch den Kulturbereich. Für
die ostdeutschen Länder und Kommunen stellt sich die Situation besonders
dramatisch dar.
Inzwischen gibt es in ost- und westdeutschen
Kommunen zahlreiche Beispiele, bei denen bürgerschaftliches Engagement die
Weiterführung von Einrichtungen und die Kontinuität von Leistungsangeboten
ermöglicht hat. Das reicht von der Aufrechterhaltung der Öffnungszeiten von
Stadtteilbibliotheken über Führungen in Museen bis zur Finanzierung einer
Operninszenierung durch Spendensammlung des Theaterfreundeskreises. In
einigen Fällen konnten durch ein solches Engagement auch beabsichtigte oder
bereits beschlossene Schließungen etwa von Bibliotheken in Stadtteilen oder
in kleinen Kommunen rückgängig gemacht werden, indem die Bürger die
Trägerschaft meist in Kooperation mit der Kommune übernommen haben.
So offensichtlich der Zusammenhang neuer
Ansätze und Anstrengungen der Gewinnung ehrenamtlichen Engagements für
Kunst- und Kulturaktivitäten mit der Krise der Kommunalfinanzen ist, so
verfehlt ist es, die gegenwärtigen Bemühungen, die wachsende Bereitschaft
und die neuen Formen dieses Engagements darauf zu reduzieren und
bürgerschaftliche Aktivitäten für Kunst und Kultur lediglich unter dem
Gesichtspunkt der Einsparung von Mitteln und des billigen Erhalts bisheriger
Angebote zu sehen. Der Kern der gegenwärtigen Revitalisierung und Ausweitung
bisheriger bürgerschaftlicher Aktivitäten und der Herausbildung neuer
Strukturen und Formen sowie der Diskussionen darüber liegt in weitreichenden
gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die sich mit den
Stichworten Krise des Wohlfahrtsstaates, Strukturwandel und Rückgang der
Erwerbsarbeit, Prozesse der Individualisierung und des Werteswandels
zusammenfassen lassen. Die Ausweitung von Ehrenamtlichkeit und
Freiwilligenarbeit steht im Zusammenhang mit der Umorientierung vom
Wohlfahrtsstaat zur Wohlfahrtsgesellschaft, sie sind Ausdruck größerer
Bürgerbeteiligung und Bürgerverantwortung und zielen auf ein verändertes
Verständnis von Staat, Markt, Gesellschaft und Individuum.
Die Gefahr der Funktionalisierung
ehrenamtlich freiwilligen Engagements als Lückenfüller für zurückgehende
öffentliche Leistungen und zur Abwälzung lästiger Aufgaben sowie der
Zusammenhang mit einer tiefer greifenden gesellschaftlichen Neuorientierung
haben zu intensiven Diskussionen über Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und
Bürgerengagement auch im Kulturbereich geführt. Während von den allgemeinen
kulturpolitischen Verbänden wie dem Kulturausschuss des Deutschen
Städtetages, dem Deutschen Kulturrat und der Kulturpolitischen Gesellschaft
ein weiterer kultur- und gesellschaftspolitischer Ansatz in diesen
Diskussionen verfolgt wird, bei dem auch Essentials bisherigen
kulturpolitischen Handelns und staatlicher Aufgaben im Kulturbereich
hinterfragt werden, stößt diese Debatte vor allem bei spartenbezogenen
Verbänden wie dem Deutschen Bühnenverein und dem Deutschen
Bibliotheksverband auf Vorbehalte. Sie fürchten unter anderem unzulässige
Mitspracheansprüche von fachfremden Interessierten, eine Entwertung,
Entprofessionalisierung und Entqualifizierung der Arbeit der ausgebildeten
Fachkräfte bis zur Verdrängung hauptamtlich Beschäftigter durch
Ehrenamtliche sowie einen zusätzlichen Zeitaufwand für die Betreuung der
ehrenamtlichen Aktiven. (Vgl. den (Teil-)
Abdruck entsprechender Stellungnahmen in Wagner 2000)
Die Heftigkeit der ersten Diskussionen, die
nicht selten auf der einen Seite von althergebrachten etatistischen
Vorstellungen, nach denen der Staat für nahezu alles in der Kultur Sorge zu
tragen habe, und auf der anderen Seite von einer weitgehenden
Liberalisierung und Aufhebung der staatlichen Verantwortung für die
kulturellen Angebote geprägt waren, ist inzwischen von einer eher
pragmatischen Herangehensweise abgelöst worden, wie etwa in den
Stellungnahmen der Verbandsvertreter zu diesem Thema im »Jahrbuch
Kulturpolitik 2000« deutlich wird. (Institut für Kulturpolitik 2001:
250-268) In den meisten Kulturverbänden und -sparten wird nun relativ
unideologisch über Vorteile und Möglichkeiten, Gefahren und Risiken von
Freiwilligenarbeit in der Kultur sowie den Kontroversen und Positionen dazu
(die häufig pointierter sind als die Alltagspraxis) diskutiert, tagen AGs
hierzu, werden Stellungnahmen verfasst und Qualifizierungsangebote für den
verstärkten Einsatz von Ehrenamtlichen entwickelt.
In der Kulturpolitischen Gesellschaft begann
die Diskussion um eine kulturpolitische Neuorientierung im Sinne einer
stärkeren Einbindung bürgerschaftlicher Aktivitäten in die kulturelle Praxis
und die öffentliche Kulturpolitik in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre.
Ausgangspunkt waren gesellschaftspolitische Überlegungen zur »Krise des
Wohlfahrtsstaates und der Zukunft der Kulturpolitik«, wie eine Tagung im
Juni 1996 hieß, in der unter anderem Möglichkeiten und Beispiele
ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagements im Kulturbereich debattiert
wurden. (Vgl. Wagner/Zimmer 1997) Hieran schloss sich ein
zweieinhalbjähriges Forschungsprojekt des Instituts für Kulturpolitik (IfK)
der Kulturpolitischen Gesellschaft für das Bundesbildungsministerium unter
dem Titel »Freiwilligenarbeit in der Kulturellen Bildung und der
Kulturarbeit« an, bei dem es um die Erhebung und Auswertung von Beispielen
ehrenamtlich-bürgerschaftlicher Tätigkeiten in einzelnen kulturellen
Praxisfeldern und Städten ging (vgl. Wagner 2000). Mit diesem Projekt wurde
erstmals exemplarisch in vier Städten (Nürnberg, Osnabrück und
Frankfurt/Oder sowie indirekt in Halle) und einem Landkreis (Hildesheim)
eine Erfassung bürgerschaftlich-ehrenamtlicher Arbeit in den kulturellen
Praxisfeldern durchgeführt. Ziel war es, Beispiele von
ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Tätigkeiten in einzelnen kulturellen
Einrichtungen zu erheben und darzustellen, um positive Anregungen zu geben.
Dabei wurden die Erfahrung daraufhin untersucht, welche Bedingungen
vorhanden sein müssen, um die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement der
Bevölkerung und ihre Einbindung in die Arbeit von Kultureinrichtungen zu
erhöhen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Fragen der Qualifizierung. Die
Arbeit an diesem Thema wurde mit der Erstellung des ersten Jahrbuches für
Kulturpolitik mit dem Schwerpunktthema »Bürgerschaftliches Engagement in
der Kultur« fortgesetzt, das das IfK im Auftrag des Beauftragten der
Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien im Frühjahr
2001 herausgegeben hat. (Institut für Kulturpolitik 2001)
Anschauliche Beispiele und
konkrete Erfahrungen
Die hier vorgelegte Sammlung knüpft an diese
bisherigen Arbeiten an. In vielen Diskussionen im Rahmen der Projekte und
der Erarbeitung der entsprechenden Publikationen sowie den zahlreichen
kulturpolitischen Veranstaltungen zu diesem Thema hat sich immer wieder
gezeigt, dass es zum einen um die theoretische Klärung und die
kulturpolitischen Rahmenbedingungen geht. Zum anderen ist aber auch
deutlich geworden, dass am besten anhand konkreter Beispiele und gemachter
Erfahrungen über die positive Seiten und Chancen wie die Mängel und
Gefahren ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagements diskutiert werden
kann.
Um für diese Diskussion konkrete Erfahrungen
und mehr Anschauungsmaterial als das bislang vorhandene, nur sehr verstreut
vorliegende zur Verfügung zu stellen, haben wir die hier vorgelegte Sammlung
von »Good-Practice-Beispielen« erarbeitet. Diese Studie war nur durch die
dankenswerte Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
möglich, das auch schon die erwähnte größere Ehrenamtsstudie gefördert hat.
Da es noch keine umfassende Studie
ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagements im Kulturbereich gibt – die
frühe Studie des Deutschen Kulturrates bezieht sich auf den Verbändebereich
(Deutscher Kulturrat 1996) und die der Kulturpolitischen Gesellschaft auf
vier ausgewählte Städte (Wagner 2000), darüber hinaus gibt es einige
Teilstudien, wie etwa zum Laienmusikbereich (Ermert 1999) –, geschah die
Sammlung konkreter Beispiele im »Schneeballsystem«.
Eine erste große Zusammenstellung von
Akteuren und Einrichtungen solcher berichtenswerter Erfahrungen entstand
durch die Auswertung von Tagungspublikationen beziehungsweise -berichten und
zentraler Periodika der einzelnen Sparten sowie durch die persönliche
Kenntnis, die im Rahmen der Projekte und zahlreichen
Veranstaltungsteilnahmen gewonnen worden waren. Über diese erste Recherche
kamen neue Hinweise und Kontakte zustande, die wiederum die Liste ergänzten.
Aus dieser Adressen- und Materialsammlung wurde eine Auswahl nach Sparten
getroffen und diese mit einem standardisierten Fragebogen angeschrieben und
um Material gebeten. Nach Sichtung des Rücklaufes wurde eine Auswahl von
Einrichtungen, Vereinen und Projekten ehrenamtlich-bürgerschaftlichen
Engagements angeschrieben mit der Bitte um einen Beitrag für unsere
Sammlung, bei der Fragestellungen vorgegeben waren, die berücksichtigt
werden sollen. Nicht alle, die wir hier gerne vorgestellt hätten, waren –
aus unterschiedlichen Gründen – in der Lage, uns den gewünschten Artikel
über die Erfahrungen zu schreiben.
So ist die hier vorgelegte Sammlung zwar
nicht das Ergebnis einer repräsentativen Erhebung – was schwerlich möglich
ist –, aber auch keine rein zufällige Zusammenstellung. Sie ist über die
verschiedenen erwähnten Schritte mit dem entsprechenden gewollten und
ungewollten »Filter« zustande gekommen und somit eine subjektive Auswahl,
die stark von objektiven Rahmenbedingungen und Schwierigkeiten geprägt ist.
Wir haben uns dabei auch aus pragmatischen
Gründen auf die traditionellen Kultur- und Bildungseinrichtungen und ihre
soziokulturellen Pendants beschränkt. Ehrenamtlich-freiwilliges Engagement
gibt es auch jenseits dieser institutionellen und herkömmlich vereinsmäßigen
Strukturen, etwa im gesamten Bereich der selbst organisierten
Jugendfreizeit- und Medienkultur, der Club- und Party-Scene und
interkulturellen Kulturarbeit der »ausländischen« Kulturvereine.
Internet und Computerspiele sind Formen von
Unterhaltungskulturen, bei denen auch in hohem Maße einzelne Akteure meist
unentgeltlich für viele die Bedingungen organisieren, damit sie ihren
spielerischen Neigungen nachgehen können, beispielsweise in den großen
Spielsessions, bei denen mehrere hundert, manchmal tausende von Jugendlichen
für ein Wochenende in eine Sport- oder Stadthalle zum Computerspielen
zusammenkommen. Analog zu Sportvereinen organisieren sich
E-Gamer in Clans um verschiedene E-Games. 700 000 Menschen sind heute in
Deutschland bereits in solchen Clans organisiert (vgl. Frankfurter Rundschau
5.11.2002). Sehr eng ist aber in diesem Bereich auch der Schritt zur
wirtschaftlichen Organisation dieser um Computer und Internet angesiedelten
Freizeitaktivitäten, in denen ein großes ökonomisches Potenzial, zum
Beispiel als Marketingplattform, gesehen wird.
Die vorliegende Zusammenstellung ist keine »Best-Practice-Sammlung«,
die ja meist das Vorhandensein einer Kriterienmesslatte suggeriert, an der
sich eine »Ranking Liste« der »Besten« darstellen ließe. Es ist, wenn es
schon eine modisch-anglizistische Benennung sein soll, eine Sammlung von »Good-Practice«-Beispielen.
Teilweise haben die hier vorgestellten Aktivitäten, Vereine und
Einrichtungen Modellcharakter, da sie neue Wege beschreiten und
exemplarische Erfahrungen beschreiben. Teilweise ist es die Schilderung
gewöhnlicher Alltagsrealitäten ehrenamtlicher Arbeit, die aber bislang sehr
selten aufgeschrieben wurden, gerade weil sie den Akteuren als
selbstverständlich und deshalb nicht in größerem Rahmen veröffentlichenswert
erschienen, vor allem aber, weil an dem »Alltäglichen«, etwa der Arbeit von
Kulturvereinen, bislang auch wenig Interesse in der allgemeinen
kulturpolitischen Öffentlichkeit gezeigt wurde.
Die hier veröffentlichten Beiträge haben
trotz des vorgeschlagenen Rasters von Fragen zum Teil sehr unterschiedlichen
Charakter. Bei einigen Texten handelt es sich um Übersichtsartikel zu
einzelnen Sparten und Feldern. Meist sind es aber konkrete Berichte über
ehrenamtliche Arbeit in einer Einrichtung oder in einem Projekt. Aber auch
hierbei gibt es nicht nur unterschiedliche Intensitäten und
Ausführlichkeiten der Darstellungen, sondern verschiedene Herangehensweisen.
Einige Darstellungen sind stärker theoretisch-reflexiv, andere eher
praktisch-beschreibend, mal werden Aktivitäten geschildert, mal Erfahrungen
ausgewertet.
Bei über 50 Autorinnen und Autoren, von denen
viele nur ausnahmsweise Texte verfassen, ist es selbstverständlich, dass
nicht nur der Stil, sondern auch die Qualität der Beiträge unterschiedlich
ist. Wir haben trotzdem möglichst wenig redigiert und nicht versucht, eine
irgendwie geartete Ähnlichkeit von Duktus, Stil und Darstellungsweise
herzustellen. In der bunten Mischung der Art der einzelnen Beiträge zeigt
sich auch etwas von der Vielfalt und Vielgestaltigkeit des darin behandelten
ehrenamtlich-bürgerlichen Engagements.
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