Institut für
Kulturpolitik
 

 
     
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Kulturelle Bildung und Soziokultur
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Kulturelle Bildung und Soziokultur

Im Unterschied zu den bisher behandelten künstlerischen Sparten sind diejenigen, die unter der Bezeichnung »kulturelle Bildung« und »Soziokultur« zusammengefasst werden, weniger eindeutig bestimmt. Gemeint sind hier Einrichtungen der Kin­der- und Jugendkulturarbeit, der kulturellen Erwachsenenbildung, der spartenübergreifenden, stadtteilnahen Angebote von soziokulturellen Zentren, Bürger- und Kul­turhäuser sowie entsprechende Projekte zur kulturellen Aktivierung verschiedenster Bevölkerungsgruppen, die oft von den traditionellen Kultur- und Bildungsinstitutionen nur unzureichend angesprochen werden.

Teilweise haben diese Einrichtungen wie beispielsweise Volkshochschulen, Kulturhäuser, Musikschulen bereits eine lange, manchmal bereits über hundert Jahre zurückreichende Tradition, während andere wie etwa soziokulturelle Zentren, Jugendkunstschulen und Angebote der Medien-, Kultur- und Museumspädagogik im Wesentlichen ein Produkt des soziokulturellen Aufbruchs im Rahmen der Neuen Kulturpolitik der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts sind.

Die etwa tausend Musikschulen und etwa gleich vielen Volkshochschulen, die vielen anderen kulturellen Weiterbildungseinrichtungen, die knapp 400 Jugendkunstschulen und die über 400 in der Bundesvereinigung sozio-kultureller Zentren zusammengeschlossenen selbstverwalteten Kulturzentren sowie die zahlreichen kommunalen Kultur- und Bürgerhäuser mit vielfältigen sozial-kulturellen, kultur- und medienpädagogischen Angeboten für verschiedene Gesellschaftsgruppen bilden einen wesentlichen Teil der kulturellen Landschaft Deutschlands. Dieser ist nicht nur quantitativ von großer Bedeutung, sondern bildet für einen Teil der Bevölkerung den wichtigsten Teil der öffentlich geförderten »kulturellen Grundversorgung«.

So unterschiedlich die Tätigkeitsfelder im Bereich der kulturellen Bildung und der Soziokultur sind, so vielfältig sind auch die Einsatzformen bürgerschaftlichen Engagements in diesen Einrichtungen und Projekten. Die Erwachsenenbildung beispielsweise gehört zu den wenig verrechtlichten Kultursparten, für die es inzwischen in allen Bundesländern Gesetze gibt, gleichwohl ist aber die Vielfalt der organisatorischen Strukturen und damit auch der Einsatzmöglichkeiten und der Einbindung ehrenamtlich Aktiver hier besonders groß. Tätigkeiten in Volkshochschulen, die beispielsweise in mittleren und größeren Städten durchgängig hauptamtlich durchgeführt werden, sind in ländlichen Regionen oft nahezu vollständig in den Händen Ehrenamtlicher. Deren Arbeit reicht manchmal von der Programmentwicklung über die Referentenansprache und die Öffentlichkeitsarbeit bis zur organisatorischen Abwicklung und der allgemeinen Verwaltungsarbeit. Dabei ist die Situation von Bundesland zu Bundesland zudem oft sehr verschieden.

Bezogen auf die in den siebziger und achtziger Jahren entstandenen soziokulturellen Einrichtungen, von denen viele Teil einer umfassenden gesellschaftspolitischen Bewegung waren, stellt sich die Bedeutung und Einbindung ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagements wiederum sehr unterschiedlich da.

Ohne ehrenamtliche Arbeit oder Freiwilligenarbeit – eine Bezeichnung, die für das unentgeltliche kulturelle und politische Engagement in den Zentren früher sehr ungebräuchlich war – würde beispielsweise heute nur ein Bruchteil der soziokulturellen Zentren in der Bundesrepublik existieren. Freiwilliges unentgeltliches Engagement ist ein Wesensmerkmal der Soziokultur seit ihrer Entstehung und ein unverzichtbares programmatisches Essential, da Geschichte und Arbeitsweisen sozio­kultureller Einrichtungen unauflöslich mit Begriffen wie Selbstverwaltung, Autono­mie und Eigeninitiative verbunden sind. Das wurde durch die Professionalisierung der Zentrumsarbeit, die Ausweitung des Angebotsspektrums und die gestiegenen Ansprüche des Publikums in den achtziger und neunziger Jahren zwar relativiert, aber nicht vollständig aufgegeben.

Heute wird nach wie vor ein großer Anteil der anfallenden Arbeiten unbezahlt ehrenamtlich geleistet, ohne dass dies intern zu größeren inhaltlichen oder organi­satorischen Problemen führt. Gerade die erfolgreiche Professionalisierung der Kulturzentren hat bewirkt, dass die ehrenamtlich Tätigen effizienter in Arbeits- und Entscheidungsabläufe integriert wurden und hinsichtlich ihrer konkreten Tätigkeit eine Schwerpunktverschiebung zugunsten inhaltlicher Projektarbeit feststellbar ist.

In einer Erhebung der Bundesvereinigung sozio-kultureller Zentren in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre waren von den 8 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 246 untersuchten soziokulturellen Einrichtungen insgesamt 46 Prozent ehrenamtlich beschäftigt. Dabei wurden nur diejenigen erfasst, die explizit in die materielle und konzeptionelle Arbeit des Zentrums eingebunden waren. Im Laufe der letzten 10 Jahre hat sich dabei allerdings das Verhältnis zwischen bezahlter und un­bezahlter Arbeit in soziokulturellen Zentren verändert, da 1987 der Anteil ehrenamt­lich tätiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch 66 Prozent betrug gegenüber den erwähnten 46 Prozent 1996.

Neben der offenen Ehrenamtlichkeit gibt es zudem gerade in der soziokulturellen Arbeit nach wie vor größere Potenziale »versteckter Ehrenamtlichkeit«: So sind zum Beispiel 40 Prozent der sozialversicherungspflichtigen MitarbeiterInnen nur teilzeitbeschäftigt (zwischen 10 und 29 Wochenstunden) und es ist davon auszugehen, dass die meisten davon deutlich mehr Stunden arbeiten als ihr bezahltes Stundenkon­tingent. (Alle Angaben zu den soziokulturellen Zentren nach Spieckermann 2000)

Eine andere verbreitete Form ehrenamtlicher Arbeit, die bei kulturpädagogischen und soziokulturellen Einrichtungen verbreitet ist, besteht in den ehrenamtlichen Trä­gervereinen dieser hauptamtlich betriebenen Einrichtungen.

Hier fallen die selben Tätigkeiten und Aktivitäten wie bei Fördervereinen oder den Kulturvereinen etwa im Laienmusikbereich an. Hinzu kommen aber noch – in sehr unterschiedlichem Umfang – Aufgaben der Leitung und der konzeptionellen Entwicklung der Einrichtung und die Mitarbeit bei der Programmplanung und der Festlegung der Arbeitsschwerpunkte. Wie viele dieser Aufgaben in den Händen des ehrenamtlichen Trägervereinsvorstandes oder der Vereinsversammlung liegen und wie viele von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrgenommen werden, ist sehr unterschiedlich.

Unsere Beispiele zu diesem Komplex beginnen mit einem Erfahrungsbericht eines Akteurs, der die Entwicklung verschiedener soziokultureller Arbeitsfelder in sehr unterschiedlichen Funktionen mitgemacht und mitgestaltet hat und dabei das bürgerschaftlich-ehrenamtliche Engagement als durchgängiges Strukturprinzip soziokultureller Arbeit empfunden hat. In anderen Beiträgen wird auf jugendliche Volunteers in der Kinder- und Jugendkulturarbeit, auf ehrenamtliche Aktivitäten in der museums- und medienpädagogischen Arbeit und in Musikschulen eingegangen. Je drei Berichte schildern von Ehrenamtlichen mitgetragene Projekte soziokulturel­ler Arbeit und ehrenamtliches Engagement in der Erwachsenenbildung.