Die Kulturpolitischen Bundeskongresse

Die Durchführung der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden kulturpolitischen Bundeskongresse gehört zu den zentralen Aufgaben des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft. Es ist ihre Aufgabe, aktuell relevante Themen der Kulturpolitik von bundesweiter Bedeutung öffentlich zu diskutieren und zu kommunizieren. Ihr Ziel ist es, durch die Wahl der Themen und die Art der »Inszenierung« Markierungen und Schwerpunkte in diesem Diskurs zu setzen, die eine gewisse Orientierungsfunktion haben. Gleichzeitig sollen die Kulturpolitischen Bundeskongresse Treffpunkte sein, um die Akteure der unterschiedlichen kulturpolitischen (Entscheidungs-)Ebenen und Kontexte zusammenzubringen und ihnen ein Forum zu geben.

Die ersten sieben Bundeskongresse »kunst.macht.kulturpolitik« (2001), »inter.kultur. politik« (2003), »publikum.macht.kultur« (2005), »Kultur.macht. europa« (2007), »kultur.macht.geschichte – geschichte.macht.kultur« (2009) netz-macht.kultur – Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft« (2011) und »Kultur nach Plan? Strategien konzeptbasierter Kulturpolitik« (2013) haben diese Erwartungen erfüllt. Mit jeweils ca. 400 bis 500 TeilnehmerInnen waren sie sehr gut besucht und das Echo in den Medien war insgesamt sehr positiv, so dass gesagt werden kann, dass es gelungen ist, dem Selbstanspruch gerecht zu werden und die Marke »Kulturpolitischer Bundeskongress« erfolgreich in der kulturpolitischen Öffentlichkeit zu platzieren.

Die Kulturpolitischen Bundeskongresse werden federführend vom Institut für Kulturpolitik geplant und durchgeführt. Die Mitarbeiter des Instituts können dabei zurückgreifen auf Ressourcen der Kulturpolitischen Gesellschaft (Kompetenz, Verbindungen, Erfahrungen), die in der kulturpolitischen Öffentlichkeit ein eingeführter und bekannter Akteur ist. Als enger Kooperationspartner und Mitveranstalter ist von Beginn an die Bundeszentrale für politische Bildung beteiligt.

Die sechs ersten Kongresse waren sehr stark diskursiv angelegt. Die Themen wurden vor allem in kleinen Diskussionsrunden plenar oder in parallelen Foren diskutiert. Dabei wurde Wert darauf gelegt, eine angemessene Mischung aus Sachinformation und kontroverser Debatte zu ermöglichen. Konzeptleitend war ferner die Idee, neben theoretischen und empirischen Beiträgen den Praxiserfahrungen durch Good-practice-Beispiele Raum zu geben. Die Referenten und Experten kamen dabei aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland. Die Konzeption des Kulturpolitischen Bundeskongresses ist nicht statisch, sondern soll jedes Mal durch neue Elemente gekennzeichnet sein, um in Inhalt und Form dem Anspruch eines Bundeskongresses gerecht werden zu können. Geplant ist, in Zukunft mit verschiedenen Präsentations-, Diskurs- und Dokumentationsformen zu experimentieren, um auch der Tagungs- und Kongresslandschaft neue Impulse zu geben.

»Kultur.Macht.Einheit?« – Kulturpolitik als Transformationspolitik.

Am 18./19.Juni 2015 widmet sich der 8. Kulturpolitische Bundeskongress dem Thema »Kultur nach Plan? Strategien konzeptbasierter Kulturpolitik« in Berlin.

Mit der Verwirklichung der Deutschen Einheit hat sich auch die Kulturpolitik verändert – sowohl konzeptionell wie instrumentell. Im Einigungsvertrag ist die Kultur in Artikel 35 mit verfassungsrechtlichem Rang gesetzlich verankert, was der Kultur in den ostdeutschen Ländern und auf Bundesebene mehr Gewicht verliehen hat. Der Bund trat auf dieser Basis unmittelbar nach der Wende im Rahmen der »Übergangsfinanzierung« mit groß dimensionierten Programmen auf, um die kulturelle Infrastruktur in Ostdeutschland flächendeckend zu erhalten, zu modernisieren und sogar auszubauen. Auch die neuen Länder und die Kommunen beteiligten sich an diesem Transformationsprozess der kulturellen Infrastruktur. Nur acht Jahre nach der Vereinigung wurde das Amt des Beauftragten für Kultur eingerichtet und ein Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag gebildet. Die Gründung der Kulturstiftung des Bundes folgte 2003 und ein Jahr später wurde die Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« des Deutschen Bundestages eingerichtet, die ihren Bericht Ende 2007 vorlegt und darin eine detaillierte Analyse der Situation von Kunst und Kultur in Deutschland vornahm und umfangreiche kulturpolitische Empfehlungen formulierte.

Transformation wäre jedoch zu kurz gedacht, wenn sie sich nur auf die unmittelbaren Folgen der Deutschen Einheit beziehen und nicht in Rechnung stellen würde, dass diese sich in einem europäischen und globalen gesellschaftlichen Wandel ereignet hat und weiterhin ereignet. Vor diesem Hintergrund wollen wir die Frage aufwerfen, ob das Interesse der politischen Akteure am Prozess des »nation building« zu einer Reaktivierung der überkommenen Formel von der Kulturnation geführt und dabei aktuellere Kulturbegriffe, Motivlagen der Menschen und der kulturellen Akteure ebenso außer Acht gelassen hat wie den internationalen Kontext. Ferner ist zu diskutieren, ob der Begriff der »kulturellen Substanz« im Einigungsvertrag nicht zu stark als Legitimationsformel für ein politisches Sanierungsprogramm des baulichen kulturellen Erbes genutzt worden ist, die wenig Spielräume für Innovation und Transformation zugelassen hat.

Der 8. Kulturpolitische Bundeskongress will einen Rückblick mit Ausblick auf eine Zukunft versuchen, in der Kulturpolitik wieder stärker als pluralistisch organisierte Demokratiepolitik begriffen wird.

Mehr Informationen unter: www.kupoge.de/kongress/2015/

Norbert Sievers

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